Wetter: Ein Maximalschub an Wut


Mit Volldampf, mit Karacho, mit Multispeed schossen die Schmetterlinge durch die Himmelsstadt. Martha, Darfo, Johnny und Sonja waren den Verursachern des langen Winters auf der Spur. Ihre Verdächtigen: Zwei Wetterfeen und eine Hexe. Sie hatten sich auf ihre attraktive Weise Zugang zur Wetterzentrale verschafft – dabei aber so viele verdächtige Verdächtigkeiten an den Tag gelegt – unschuldig waren die nie und nimmer!!! „Ich werde sie verhören“, meldete sich Martha im Flug. „He?“, hechelte Darfo. Sie hatten schon lange keine Zuckerwatte mehr geknabbert, langsam versagten seine Kräfte. Die Freunde hechteten hier schließlich schon seit Minuten die Gänge hin und her, die Etagen hoch und runter … und manchmal hatten sie auch eine Pause eingelegt, die ihnen viel zu kurz vorkam. Eine Ewigkeit waren sie schon unterwegs, würde Darfo sagen, wenn er gefragt werden würde. Wurde er aber nicht. Denn sie mussten sie kriegen, unbedingt! So war das halt bei Superdetektiven. Und Sonja schoss voran, immer dem Ozongeruch hinterher. Aus einem mysteriösen Beutel, den die drei „Subjekte“ mit sich führten, entwich dieses Gas. Kaum hatten die Schmetterlinge wieder eine goldene Wolkensäule passiert, waren erneut durch eine Wolkenhalle mit goldenen Wänden geflogen, hatten fast eine Gruppe von Winterelfen umgenietet, da erreichten sie ein Viertel in der Wolkenstadt, das Martha aufschrecken ließ. „Künstler!“ Hilfe, zuckte sie zusammen. Sie hatten gar nicht gemerkt, wie sie die Petrus‘ Wetterzentrale verlassen hatten – und waren nun im Künstlerviertel der Wolkenstadt gelandet. „Da schick ich lieber eine Maus in einen Porzellanladen und lass den Elefanten nicht rein, als dass ich mich hier aufhalte!“ Es war eine natürliche Abneigung von Martha, die sie nicht erklären konnte. Sie mochte Kunst, zweifelsohne, aber nicht die Fabelwesen, die dahinter steckten. Kaum hatten sie dies realisiert, da schaute auch schon das erste Einhorn aus einem der bunten Wolkengebäude heraus. Sonja, Johnny und Darfo schauten hingegen mit einem Lächeln auf, sie hatten größten Respekt vor diesem Viertel. Vor ewigen Zeiten war hier der erste Regenbogen überhaupt kreiert worden. Seitdem fanden die bunten Lebenserheller ihren Einsatz auf der Erde. Es war eine kollektive Brainstorming-Aktion der Märchenkünstler gewesen. Und wie sollte es anders sein: Auch hier hatten die Schmetterlinge ihre Finger mit im Spiel gehabt. Als der erste Schmetterling zum allerersten Mal mit einer Zuckerwatte in die Himmelsstadt gekommen war, damals, vor langer, langer Zeit, hatte er die neugierigen Bewohner mit dieser süßen Leckerei verzaubert. Sie hatten mehr gewollt – und sie hatten es bekommen. Aus einem darauf folgenden kollektiven Zuckerrausch war das kollektive Brainstorming entsprungen – und die Erde hatte ihre Regenbögen bekommen. Allerdings hatte es anfangs Problem mit den Bürokraten gegeben, sie wollten nicht, dass der Regenbogen eine Krümmung bekommt, sondern hatten den Wunsch geäußert, dass er auch gerade produziert werden könnte. Zum Glück hatte Petrus in dieser Zeit Frau Holle kennengelernt, war frisch verliebt, so dass die Zwerge, die Einhörner, die sandalierten Katzendamen ihren Bogen bekamen. (Und war einmal die Unterschrift von Petrus auf einem himmlischen Herstellungsdokument, hatte es seine ewige Gültigkeit.) Die Schmetterlinge waren bei der Erkenntnis nun ganz perplex. Respektvoll schauten sich Darfo, Sonja und Johnny um. Die Wolkenhäuser hatten blaue, rosa, grüne, gelbe, orangene Dächer und Türen. Besonders beeindruckend: Sie hatten lebendige Bilder an den Wänden, die wirklich lebten. – ‚aufgemalte‘ Blumen bewegten sich im Wind. Wenn Passanten nicht aufpassten, schlugen sie gegen sie. Surfer, die auf einer Welle ritten, schossen schon einmal über den Strand hinaus und mussten dann von der Wolkenstraße mühsam wieder ins Bild klettern, usw. – „Ich mag hier nicht hin“, schauderte es Martha. Sie suchte Darfos Aufmerksamkeit, versuchte sich hinter seinen starken Flügeln zu verbergen. Der hatte jedoch nur Augen für die wundersamen Lebewesen. Sie querten vor ihnen die Straßen, hielten hier und dort einen Plausch, und zogen dann weiter, verschwanden wieder in ihren Häusern. Das Einhorn, das die Schmetterlinge als erstes Himmelswesen durch sein Fenster erblickt hatte, schaute erstaunt auf – dann verschwand es schnell im Haus … und kam freudig aus der Eingangstüre nach draußen galoppiert. „Schmehehehetterlinge, Wiaaaahaha?“, fragte es lautstark wiehernd, gab sich aber selber direkt die Antwort: „Schmehehehetterlinge, Jiaaaahaha!“ Doch es war so laut, dass alle anderen Künstler sich umdrehten und staunend auf die Neuankömmlinge blickten und auf sie zusteuerten. Schon war das zweite Fabelwesen da. „Was macht ihr denn hier bei uns?“, wollte Türkisschühchen sofort wissen. „Wir sind hinter den Sommerattentätern her, denjenigen, die den Winter verlängert haben“, trat Johnny (selbstverständlich) hervor. Türkisschühchen war ein sehr, sehr attraktives Mädel, das anscheinend keinen Schutz vor irgendeinem Wolf brauchte. „Schnurr.“ Kaum hatte Johnny den Grund ihres Besuches genannt, schauten die fröhlichen Himmelskünstler – außer den depressiven, die waren aber sowieso noch in ihren Häusern. Die Tränenfluten, die aus den verschlossenen Portalen nach draußen flossen, zeugten auf ihre traurige Art und Weise davon, dass sie noch arbeiteten – entsetzt auf. Die fröhlichen Künstlergesichter verfinsterten sich enorm, ein Maximalschub an himmlischer Wut (von Neutralgelb zu Goldgelb). Sie hatten von dem Betrug gehört. Auch sie hatten sich bei dem Kommandanten beschwert – aber auch ihnen war gesagt worden, dass sie sich einfach geirrt hätten. Alles wäre normal abgelaufen. Seit dem kalendarischen Frühlingsbeginn wäre der Winter beendet gewesen. Auch sie waren belogen worden! Auch sie wollten die Wahrheit wissen!! Das Einhorn trat einen schockierten Schritt nach vorne. „Wie können wir euch helfen? …

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