Wetter: Die Himmelshalunken


… Der Cowboy-Hut wackelte auf und ab, der Sheriff-Stern glänzte wieder an seiner Brust. Neben Schmetterlingsmacho Johnny ritten Darfo und Sonja auf einer Schäfchenwolke, Sonja hatte ihr eigene. Knirsch, Knirsch, Knirsch, machte es. Sie hatten Zeit für Zuckerwatte. Dem Sonnenaufgang entgegen folgten sie der Ozonspur. Ihre letzten Abenteuer hatten sie zwar etwas zurückgeworfen, aber es sollte machbar sein. Sie mussten mit ihrem Anti-Beutel den fiesen Hexenbeutel erledigen. Ihn fertig machen, vernichten, das war das Ziel. Doch nun ritten sie erstmal, das sparte Kräfte, biiiiis … „Halööööchen“, eine „gute“ Fee neben ihnen flog. Verzückt schaute Johnny mit der Zuckerwatte im Mund auf -Schnurr, Schnurr, Schnurr -, aber auch Darfo, Martha und Sonja spürten die positiven Schwingungen, die von ihr ausgingen. „Wollt ihr mal was Spaßiges sehen?“ Die vier Schmetterlinge nickten sofort. Die Fee zog einen Frosch aus ihrer Feenrocktasche, Quaaack, hob ihn an ihren Mund, küsste ihn … und warf ihn zu einer Gruppe Himmelsbewohner. „Drei, zwei, eins …“, zählte sie rückwärts, und „Plopp“, stand ein attraktiver Himmelsprinz dort. „Hmmm“, grummelte Johnny, „soooo witzig ist das aber nicht.“ Doch kaum hatte er seine Worte ausgesprochen, da machte es wieder „Plooooop“ – und er verwandelte sich in ein Rentier. Und wieder „Ploop“ – nun war es ein Schlitten. Und wieder „Plopp“ – eine Weihnachtselfe. Und „Plop“ ein Tannenbaum. Und „Plop“ ein Weihnachtsgeschenk. „Ich muss am Anfang leider immer an einen Prinzen denken, sonst würde ich auch mal mit was anderem starten“, so die Fee. Sonja schien als Erste zu verstehen, dass die Verwandlungen sich an der Abfolge ihrer Gedanken orientierten. Doch auch Johnny schien es nun zu begreifen. „Darf ich auch mal?“ „Na, klar“, grinste die Fee den Cowboy im Flug an. „Ich hab da Massen von!“ Schnell verteilte sie an jeden Schmetterling einen Frosch. Gerade kämpfte Johnny noch damit, ihm einen Kuss zu geben … da kullerte der Fee eine Träne die Wange nach unten. „Alles in Ordnung bei dir?“ Er war zwar ein Kerl, aber daaaas hatte er dann doch gesehen. Naaain! Doch! Naaaaain! Doch!!! Die Blicke der Schmetterlinge und der Fee sprachen Bände. „Wir, wir … ich … sie haben mich geschickt, um euch um Hilfe zu bitten“, platzte es nun aus ihr raus. Uuuf. Die Erleichterung war ihr anzusehen. Sie war eine „gute“ Fee. Ihre Aufgabe war es, gute Stimmung zu verbreiten. Ihre Cousinen, die Wetterfeen, die mit der Hexe unterwegs waren, waren vom richtigen Kurs abgekommen. Jede Fee wurde als „gute“ Fee geboren. Auch die Wetterfeen. Letztgenannte hatten die Eigenschaft, Menschen und Märchenwesen für einen zeitlich sehr begrenzten Zeitraum das Wetter ihrer Wahl herbeizuzaubern. Nur hatten es ihre Cousinen auf irgendeine Weise geschafft, zumindest einen Teil dieser Macht, für schlimme Zwecke einzusetzen. „Wir denken, sie wurden von der Hexe verführt.“ In ihren Blicken war jedoch abzulesen, dass sie die Fee nicht brauchten – und ihr auch auf jeden Fall misstrauten. Die vier Schmettelinge ritten immer noch auf den Schäfchenwolken, legten nun aber ein kleines Päuschen ein, so dass sich ihre Reittiere in einer frischen weißen Wolke stärken konnten. „Und was bringt uns das jetzt?“ Wollte Sonja nun wissen. Johnny sollte vielleicht nicht das Wort übernehmen – er musterte bereits den Körper der Fee. „Ich bin gekommen, nach Abstimmung mit meinen Schwestern, um euch zu helfen“, erklärte die Fee. Sonja wollte ihr gerade absagen, kaum hatte die Fee den Satz ausgesprochen, da rempelte ein Kerl mit Schlapphut und einem langen Mantel, dessen Kragen nach oben geklappt war, an. „Schuldigung“, raunte er und ging schnell weiter. Dann nuschelte es etwas in einen Knopf seines Mantels. Totales Schmetterlingsmisstrauen, von jetzt auf gleich!!! Alle Special-Agents schauten ihm hinterher … und wie aus dem Nichts, schwebte auf einmal eine dunkle Wolke über ihnen, maskierte Männer sprangen mit riesigen Säcken nach unten – und fingen die Schmetterlinge und die Fee ein. BingBoingBumm. Kidnapping! Es bollerte und bummerte … und als die Gefangenen das nächste Mal wieder Sonnenlicht sahen, waren sie an einem anderen Ort. Johnny und Sonja kochten vor Wut, sie waren bereit, alles, aber wirklich alles zu vernichten, was sich ihnen in den Weg stellen wollte, Darfo stand bereits schützend vor Martha. Aber der Kampf schien aussichtslos – sie waren umgeben von einer Bande Himmelshalunken. Eine fiese Truppe. Sie waren berüchtigt. Sie erpressten und logen, sie machten miese Stimmung, wo immer sie auch waren. „Wir wollen den Beutel“, sagte ihr Anführer sofort. Die Fee versuchte sofort instinktiv, den Chef zu betuddeln, ihn hier und da zu kitzeln, denn nichts hellte eine Stimmung so gut auf wie ein ordentlicher Kitzler oder eine Kissenschlacht, aber der Kerl schien einfach immun zu sein. Er reagierte überhaupt nicht. „Das werdet ihr niemals bekommen“, verschränkte Darfo die Arme. Sonja war bereit, für das Regenbogenstück zu sterben. Verächtlich schauten die Halunken den Sheriff-Stern an, sie ignorierten die Weiber Sonja, die Fee und Martha (Darfo auch). In ihren Augen konnte nur der Kerl mit dem Cowboy-Hut die einzige Gefahr sein. „Wir sind zu viele, und ihr habt nur einen Mann! Her mit dem Beutel!“ Johnny plusterte sich freudig auf. Hier zollte man ihm endlich den Respekt, den er verdiente. Auch wenn er bald kräftig eins aufs Maul kriegen würde. „Was habt ihr denn für eine Wahl?“ Sonja rutschte zur Fee ein wenig rüber, und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Die nickte sofort – und die Halunken waren so eingebildet und ignorant, dass sie die beiden Frauen komplett übersahen. Knutsch, Knutsch, machte es auf einmal – und zwei Frösche landeten vor dem Anführer. Mit Abscheu blickte dieser Sonja und die Fee an. „Ihr solltet in der Küche arbeiten und euch nicht in Männersachen einmischen“, sagte er. „Die Frösche wären da genau richtig“ Sonja blickte derweilen die Fee verzweifelt an. Es passierte nichts! Hast du auch die richtigen Frösche gezogen, verrieten ihre Augen fragend. Die blieb gelassen … denn genau in dem Moment machte es „Plopp“ – und ein wunderschöner Prinz stand in seinem goldenen Herrenröckchen mit frisch manikürten Fingerchen vor den Halunken. Sonja verdrehte die Augen. Oh, Mann. „Plopp“, machte es nun allerdings bei ihrem Frosch … und aus dem Boden wuchs ein Löwe mit Krokodilskopf, der Beine wie ein Elefant, dazu noch das Horn eines Nashorns und generell die Haut in Tarnfarben eines Super-Soldaten hatte. Schockiert schauten Martha, Darfo, Johnny und die Fee Sonja an. Was ging denn in dem Kopf ab?? „Autsch, Aua, Hilfe“, schrien die Halunken bereits, das Monster war schon in seinen Angriff vertieft. Erst fraß es den ersten Halunken, dann den zweiten. Und immer weiter und weiter. Der Chef-Halunke versuchte gerade zu flüchten, rutschte aber auf einer Handcreme des goldenen Prinzen aus, der sich irritiert umschaute. Und schnapp, war auch der letzte Halunke erledigt. Alle waren verschwunden, alle waren weg – nur die Schmetterlinge, die Fee, der Prinz … und Schnapp, – okay, der Prinz auch nicht mehr – und das Ungeheuer waren übrig. Immer noch nicht satt, drehte sich das Monster zu den Schmetterlingen um, leckte sich grimmig die Zähne – und verwandelte sich mit einem „Plopp“ in ein kleines unschuldiges Häschen. Und dann mit einem „Plopp“ … wieder zurück in einen Frosch. „Das ist ein Mehrweg-Frosch“, zuckte die Fee unschuldig mit den Schultern, schnippt einmal mit dem Finger … und sie waren wie von Zauberhand wieder zurück bei ihren Schäfchenwolken, die immer noch gemütlich wolkten, als wäre nichts geschehen. Martha, Darfo, Johnny und Sonja standen sprachlos da. Die Frage, ob sie sie gebrauchen konnten, hatte sich wohl erledigt. „Was ist? Wollen wir?“, ging die Fee bereits voran …

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