Wetter: Schlafwandler


… Der goldene Mond schien am Himmel, drei blau leuchtende Glühwürmchen flogen vorneweg. Die dunklen Konturen von vier Schmetterlingen auf ihren Schäfchenwolken ritten wackelnd über die Wolkendecke. Immer wieder schossen bunte Regenbogenstrahlen aus der Gruppe in alle Himmelsrichtungen. Johnnys Cowboy-Hut stach genauso hervor, wie das Nachtlicht, das die einzige Fußgängerin, die „glückliche“ Fee in ihrer Hand trug. Die Abenteuergruppe legte eine Nachtschicht ein. Sie hatten das Gefühl, die Wetterfeen und die Hexe wären zu weit weg. Knirsch, Knirsch, Knirsch, machte es, ab und zu summte die Fee ein bezauberndes Lied. Sie folgten der Ozonspur – doch sie wurde deutlich schwächer. „Sind wir auch noch richtig?“, wollte Schmetterlingsmädchen Martha wissen. Sie blickte nach oben zum Mond … und das Gesicht dort zwinkerte ihr kurz zu. „Huch“, fiel Martha fast von ihrer Schäfchenwolke. „Hast du …hast du…“, flüsterte sie mit Gänsehaut auf dem Rücken Richtung Darfo. „Hab ich, hab ich“, sagte er und zeigte nach oben. Marthas Blick folgte seinem … und der Mann im Mond zwinkerte erneut. Sofort flog Marthas Händchen hoch, sie winkte ihm voller Herzensfreude. Wahnsinn, einfach Wahnsinn. Doch nicht alle in der Gruppe hatten dies gesehen. Vor allem der Sheriff-Stern-Träger hatte keinen Bock mehr. „Mensch, Mensch, Mensch“, schimpfte er, leicht murrend. Gerade wollte er die ganze Mission vor lauter Langeweile einfach mal so in Frage stellen … da sah er die Feuer, auf die sie zuritten. „Huch“, kams wieder von Martha. Auch das Schmetterlingsmädchen sah sie jetzt. Schnell zupfte sie am Flügelchen von Darfo. Sonja kam ihm aber zuvor: „Wir könnten da mal nachfragen, ob wir überhaupt noch auf dem richtigen Kurs sind!“ Ihr war selber aufgefallen, dass der Ozongeruch, die Spur zu den Attentätern, nachgelassen hatte. Die „glückliche“ Fee hatte nichts dagegen. Es war beschlossene Sache – sie wollten einen Abstecher zu den Lagerfeuern auf dem Himmel machen. Die drei blau leuchtenden Glühwürmchen, denen auf der Erde ohne die Schmetterlinge einfach zu langweilig war, bogen ab und schlugen eine neue Richtung ein. Aber je näher sie kamen, desto langsamer wurde die Gruppe. Sie konnten immer mehr erkennen, dass es nicht nur ein Lagerfeuer war … sondern mehrere, mehrere hundert, mehrere tausend, ja, vielleicht sogar unendlich viele. Wie an einer Perlenkette reihten sie sich auf bis zum Ende des Horizonts. An ihnen saßen immer drei, vier Himmelsbewohner. Und die Gruppe konnte an den Konturen erkennen, dass sie ihre Arme auf Brusthöhe hielten – und dabei immer mit den Händen auf und ab wackelten. Die „glückliche“ Fee spürte, wie bereits alle Schmetterlinge sie fragend anschauten. Verzückt blickte sie drein. „Jaaaaa, Schmetterling, ich weiß, wer das ist“, sagte sie und ging mit ihrer schaukelnden Lampe in der Hand weiter. Die Spannungsbombe würde gleich platzen, in Form von vier Schmetterlingen. Maaaaaan, verrat es uns!!! Schweißperlen auf den Stirnchen der vier Freunde. „Okay, okay“, grinste sie. „Das sind die Schlafwandler“, kicherte sie. „Besser: Das sind die, die Menschen im Schlaf steuern.“ Alle rissen die Augen auf. Wie jetzt? Es waren nur noch wenige Meter bis zum ersten Feuer. Zu spät für weitere Antworten – sie waren da. Und die Mündchen der Schmetterlinge klappten sofort nach unten. Ruckzuck waren sie von ihren Schäfchenwolken runtergesprungen, die blau leuchtenden Glühwürmchen schwirrten aufgeregt um sie rum. Jetzt konnten alle sehen, was da geschah …zigtausend Mal. Die Himmelsbewohner an den Lagerfeuern spielten wie in Trance mit Marionetten. Sie zupften und hoben die Arme und Beine von kleinen Figuren. Sie gingen mit ihnen auf einer Stelle spazieren, aber es sah so aus, als würden sie tatsächlich mit ihnen kilometerlange Strecken abwandern. Doch es dauerte immer nur einige Minuten, dann tauschten sie die Figuren aus. Neben jedem Himmelsbewohner stand eine Kiste, er griff tief rein und nahm eine neue Figur heraus. Er befestigte die Fäden, dann legte er wieder los. Die Figur ging so zu einem imaginären Kühlschrank, holte eine Schokotorte heraus, futterte sie auf …und schloss ihn wieder. Die Schmetterlinge erschraken. Obwohl hier nur Luft war, kein Kühlschrank, keine Schokotorte … hatten sie es gesehen, als würden sie auf der Erde mit in dem Haus, in der Küche stehen. „Wahnsinn“, hauchte Johnny, der mittlerweile neben einer Kiste stand. Der Himmelsbewohner, zu dem die Box gehörte, beendete gerade wieder einen Schlafwandlermarsch, öffnete die Kiste … und Johnnys Herzchen setzte vor Faszination kurzzeitig aus. Er konnte hineinschauen. Da war … nichts. Mehr noch als nichts. Der Himmelsbewohner griff in eine leere Kiste, in ein Loch in der Wolkendecke … unten war die Erde zu sehen. Es waren die Lichter … von Paris. Johnny erkannte sogar den Eifelturm! „Boah“, flutschte es aus ihm raus. Nun musste er wieder einen Schritt nach hinten machen. Der Himmelsbewohner zog seinen Arm wieder hoch … und hatte einen Miniatur-Menschen in der Hand. Schnarchte der? Etwas verängstigt ging Darfo zu Johnny hin, warf ebenfalls einen schnellen Blick hinein und zog ihn zurück. Johnny hingegen hüpfte rasch zur nächsten Box, die sich öffnete … da unten war die Freiheitsstatur. New York! Flugs zur nächsten … Berlin! „Wow“, hauchte er. Die anderen sahen, wie der erste Himmelsbewohner, die Fäden an den Mini-Menschen band … und ihn bewegte. Er ging durch eine Türe, legte sich zu einer Frau, und schlief einfach weiter. Da wars schon, der Himmelsbewohner löste die Fäden wieder von den Armen und Beinen, legte ihn wieder in Paris ab … und griff ins nächste Haus. So machten sie es alle. Alle Schlafwandlerführer. Alle! Bis zum Horizont saßen sie. „Tschuldigung“, flüsterte die „glückliche“ Fee, als sie einen der Himmelsbewohner sanft an der Schulter berührte. Nur kurz löste er sich aus seiner Trance. „He?“ Hier herrschte Ruhe, sie hatten Dienst, wie jede Nacht. Fragen beantwortete das zuständige Wolkenamt. „Habt ihr zwei Wetterfeen und eine Hexe gesehen?“ Der Mann schüttelte den Kopf. „Tut mir leid, nein, das kann ich nicht sagen.“ Schon glaubten die Schmetterlinge, sie wären falsch … da meldete sich eine kleine Himmelsbewohnerin, drei Lagerfeuer weiter. Sie hatte schon die ganze Zeit zu ihnen rübergeschielt, aber in der Dunkelheit hatte dies niemand sehen können. „Sie sind da lang“, zeigte sie schnell den Weg. Die Gruppe kam flugs rüber, erntete allerdings schon die ersten bösen Blicke der anderen Schlafwandelarbeiter. „Ihr seid doch die Elite-Spezial-Detektive, oder?“, wollte die Kleine trotzdem wissen. Das war das Stichwort für Johnny. Stolzgeschwellter Brust baute er sich vor ihr auf. Durch das Mondlicht glänzte sein Sheriff-Stern noch mehr. Martha blickte gerade in die Kiste des Mädchens, die sie noch offen hatte. Die Stadt kannte sie! Meerbusch!!! Sie konnte genau St. Mauritius in Büderich, die Savanne in Osterath, den Wasserturm in Lank-Latum, das Städtische Meerbusch Gymnasium in Strümp erkennen!!! „Natürlich sind wir die Schmetterlinge mit diversen Sondergenehmigungen und Super-Fähigkeiten, die wir alle selber nicht kennen“, unterbrach Johnny jetzt Martha, die vorsichtig einen Schritt zurückging. Während ihr Herzchen gerade wieder eine paar Takte langsamer trommelte, hüpfte das der kleinen Himmelsbewohnerin umher. In Sekundenschnelle kramte sie eine Zeichnung von der Abenteurer-Gruppe aus ihrer Hose – und reichte sie mit einem Stift rüber. „Könnte ich ein Autogramm haben? Ihr wollt die Feinde des Sommers erledigen, wir alle haben schon von euch gehört … und ihr seid einfach super!!!“ Baff, war der richtige Begriff. Die Fee ging mit ihrer Lampe näher zu dem Blatt … und sah eine Zeichnung der Gruppe auf den Wolken. Wie sie auf den Schäfchwolken ritten, der Cowboy-Hut, der Mond am Himmel, die blau leuchtenden Glühwürmchen, sie selbst. „Na klar!!!“, jubelte Johnny .. krickelkrackel hatte er seine Signatur auf dem Blatt Papier. „Ihr auch?“, hielt sie die Zeichnung zu Darfo, Martha un
d den anderen. Jeder musste unterschreiben, so war das gute Sitte, hier oben im Himmel. „Ihr habt das Ozon wegen der Feuer nicht mehr riechen können! Sie sind da lang“, zeigte die Kleine ihnen den Weg der beiden Wettefeen und der Hexe. Schon schielten andere Marionettenspieler-Teenager herüber. Die älteren Schlafwandelarbeiter fingen an, untereinander zu tuscheln. Das kam hier einer Betriebsstörung gleich. So ging das aber nicht! Sonja setzte noch schnell ihr Autogramm, dann mahnte sie die anderen zur Eile. Ihr war das Ganze hier nicht mehr geheuer. Wenn sie nicht ruckizucki die Biege machten, konnte das hier sehr schnell schief gehen. Und es fing schon an. Einige Feuer weiter hatten die nächsten Teenager die Abenteurer endgültig erkannt, ließen ihre Arbeit ruhen und gingen bereits in ihre Richtung. „Los, los, los“, scheuchte sie Martha, Darfo und die Fee voran. Die Glühwürmchen zischten bereits vorweg … da musste sich Sonja noch einmal umdrehen. Und „Auaaaaaa“ … mit einem gekonnten Griff schnappte sie sich Schmetterlingsmacho Johnny am Öhrchen. Sooooo viele Fans!!! „Aua …

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