Wetter: Greenclouds


… Der Wind pfiff leise, keine Möwe war am Himmel zu sehen. In der Ferne gingen Himmelsbewohner ihren alltäglichen Herausforderungen nach – und auch hier, mitten in der Wolkenebene, schien es ein normaler, einsamer Tag zu sein. Bis auf zwei Diamantbären, die anscheinend auf etwas warteten. Und bis auf die „total unauffälligen“ Wolkenknubbel, die „voll normal“ in der sonst flachen Wolkenebene wie unzählige Ameisenhügel gewachsen waren. Und vielleicht auch bis auf die gefühlt rund tausend Augenpaare, die überall aus den weißen Hügeln rausschauten. Und natürlich noch bis auf das dumpfe „Knirsch, Knirsch, Knirsch“, das ein, zwei, drei oder vielleicht auch vier Schmetterlinge vor lauter Aufregung von sich gaben. Und natürlich bis auf das Funkeln eines goldenen Sheriff-Sterns, das „auf gar keinen Fall versteckt wird!“. Ja, gut, und vielleicht noch bis auf die Schäfchenwolken, die „rein zufällig, total herrenlos“ hier wolkten. Und bis auf ein paar andere Kleinigkeiten wie ein „Quaaaaak“ oder ein ameisenähnliches Gewimmer, und die Markierung in Form eines dicken roten Kreuzes, das vor den Diamantbären aufgezeichnet war, und vielleicht noch die Fangnetze, die über dem roten Kreuz in der Luft aufgespannt waren – ja, ansonsten war hier alles normal. Nur die zwei einsamen Diamantbären hatten was vor … würde ein heimlicher Beobachter denken. Und das hatten sie ja schließlich auch. Herr und Frau von und zu Doppelzunge warteten auf die beiden Wetterfeen und die Hexe, um im Austausch für ihren Nachwuchs die Ameiseneier auszuliefern. Doch um dem Ganzen nun die Spannung zu nehmen – dies war selbstverständlich eine Falle. Die Wolkenhügel waren gar keine natürlichen Wolkenhügel, sondern künstliche Verstecke, unter denen sich zahlreiche Diamantbären, Millionen Ameisen, eine „glückliche“ Fee, drei blau leuchtende Glühwürmchen und Martha, Sonja, Johnny und Darfo versteckten. „Zum Glück schirmt die Wolkendecke die Regenbogenstrahlen ab und reflektiert sie“, flüsterte Darfo Martha zu. Unter ihrem Wolkendach ging es zu wie in einer Disco. Immer wieder huschten bunte Lichter aus dem Anti-Beutel und tanzten minutenlang im Versteck der beiden Schmetterlinge umher. Was zwangsläufig die Folge hatte, dass Marthas Pupillen erweitert waren wie auf Droge. Den Einsatz des Schmetterlingsmädchens beim Angriff auf die Übeltäter des verlorenen Sommers konnten sie wohl vergessen. Aus Sicht von Darfo war das aber nicht weiter schlimm, so begab sich seine Freundin zumindest nicht in Gefahr. Wie er sie nachher von dem Trip wieder runterholen sollte, das war eine ganz andere Frage. Einen Hügel weiter waren hingegen zwei Schmetterlinge aber auf jeden Fall auf Krawall gebürstet. Johnny wollte unbedingt der erste von allen Helfern sein, der die „Schurken im Verführerdress“ erwischte. Sonja hatte da allerdings ihre massiven Zweifel. Denn jedes Mal, wenn sich Johnny die Szene vorstellte, wie sie sich die Wetterfeen schnappten – sie wusste nicht, ob es in seiner Phantasie überhaupt eine hässliche Hexe gab -, doch jedes Mal, wenn er das machte, fing er an zu schnurren … und zu sabbern. So wie jetzt: Schnurr, Schnurr, Schnurr. „Ööööh“, stöhnte Sonja die Augen verdrehend. Ihn konnten sie wohl auch abschreiben. Hinterfragen, was er sich da gerade vor das innere Auge rief, das wollte sie auf gar keinen Fall. Doch Sonja wurde jäh unterbrochen. Es kam Unruhe auf. Sie blickte schnell wieder aus ihrem kleinen Wolkeniglo, dann hörte sie es. Die Ameisen sahen anscheinend Punkte am Horizont, die auf die Diamantbären zugingen. Und tatsächlich: Dort war schemenhaft zu erkennen, wie möglicherweise zwei Personen auf das glitzernde Bärenpärchen zusteuerten. „Moment“, sagte in dem Augenblick auch der Ameisen-Chef zu seinen Mannen. Er hockte in einer Zehntausenderkette auf einer scharfen Wolkenklippe, sie alle schauten mit Ferngläsern zum Horizont. „Warum sind das nur zwei – und nicht drei?“ „Vielleicht ist die Hexe ja bereits von …“, zeigte eine der Ameisen hoch zum höchsten Turm der Wolkenstadt, „ … vom Big-Boss bestraft worden?“ Und zack, hatte er eine hängen. „Niemand, aber wirklich niemand, nimmt seinen Namen in den Mund, geschweige denn, er zeigt auf seinen Turm. Das ist uns Normalsterblichen verboten“, schimpfte ihn der Ameisen-Chef aus. Kaum schauten seine tapferen Krieger wieder nach vorne, drehte er sich selber um … und warf ebenfalls schnell einen kurzen Blick zum Turm vom Big-Boss der Himmelsstadt. „Hast du?“ Wäre er Petrus oder der Weihnachtsmann – dann hätte er eines dieser roten Telefone und könnte kurz nachfragen, ihm vielleicht auch das Dilemma erklären, aber so … Er blicke wieder nach vorne. Das war ihre Sache, und da wollte niemand die Ruhe vom obersten Oberchef stören. Der war bestimmt beim Wolkengolf oder so. „Sie sind fast da“, rief nun eine weitere Ameise. Jetzt wurden sie fast panisch. „Tschtschtsch“, befahlen nun tausende Ameisenoffiziere dem Heer von Millionen einfacher Soldaten. Hier und da schepperte der ein oder andere Schutzhelm. Um cool zu wirken, hatten nicht alle den Kinngurt geschlossen. Ihre Blasen waren mit Ameisenpipi gefüllt, überall rannten Wasserträger rum, um auch noch den letzten Schluck Feuchtigkeit in die Ameisenkörper reinzupressen, auf das ihre Blasen Höchstleistungen liefern würden. Ihre Feinde sollten brennen! Brennen sollen sie!!! „Jawoll!“ Und auch bei den hunderten Diamantbären, die ebenfalls gut versteckt unter Wolken verbuddelt waren, war die Anspannung groß. Sie lauerten und lungerten nun herum, um den besten Zeitpunkt abzuwarten. Als die beiden Ankömmlinge nicht mehr fern waren, konnten Sonja und Darfo erkennen, dass sie Mäntel trugen. Lange, schwere Kapuzenmäntel, die eine Identifikation fast unmöglich machten. „Plopp“, ertönte es bereits – und einen Wolkenhügel von den Schmetterlingen entfernt, schaute das Gesicht eines wunderschönen Prinzen heraus. „Verdammt“, fluchte eine weibliche Stimme. Und „Plopp“ war er auch wieder verschwunden, und irgendetwas Längliches, Stinkendes schien neben der Froschbesitzerin nun zu liegen. Dann waren die Mantelträger da. Die beiden Diamantbären versuchten, so ruhig wie nur möglich zu wirken. „Habt ihr das, was wir wollen?“, zischten die beiden böse. Einer oder eine von ihnen, Sonja war sich nicht mehr sicher, ihre Stimmen klangen so tief, schaute nun erst auf das riesige rote Kreuz auf dem Boden, dann auf das Fangnetz über ihnen. Zudem entdeckte er auch, dass alleine sein rechter Fuß gerade in ungefähr 20 oder 30 Schlingen getreten war. Ihre Seile liefen zu einem Stamm, der neben den Fangnetzen in den Wolkenboden gerammt war. „Was ist? Habt ihr das, was wir wollen?“ Der Diamantbär war fast sprachlos. Es ging hier um ihren Nachwuchs! „Ähhm, ja, also … ja, wir haben was ihr wollt!“ Schnell drehte er sich um. Die beiden Geheimnisvollen standen genau auf der Markierung, die Falle konnte, beziehungsweise könnte, nun endlich zuschnappen. Seine panischen Blicke verrieten dem Team, dass sie in Aktion treten durften. „Und wo ist das, was wir wollen?“ „Idiot“, fluchte gerade ein anderer Diamantbär eine Ameise an. Alle Fäden liefen bei ihr zusammen, sie brauchte nur einen Hebel in Ameisengröße umschalten, und schon würde sich die Apparatur in Bewegung setzen. Die Ameise hüpfte, sprang erschrocken auf. „Mist“, fluchte sie … und drückte eeeeendlich den Hebel nach vorne. „Klickschrebbelschrommschromm“, geriet irgendetwas in Gang, das wie das Uhrwerk einer Kirchturmuhr klang. Und das hörten auch die beiden Vermummten. „Hörst du das?“, fragte nun der eine den anderen. „Was wird das hier?“, wollte dieser schon wissen. Doch dann war es zu spät. Die Schlingen zogen sich zu, das Netz fiel, eine Ameisenarmee stürmte wild schreiend los, ein Schlangenkrokodil sprang zappelnd aus dem Versteck der „glücklichen“ Fee, ein Sheriff-Stern-Träger rannte schnurrend seinem Traum entgegen, eine Schmetterlingskriegerin schwang fliegend die Fäustchen, Diamantbären-Väter polterten im Galopp los … da zog einer der beiden Vermummt
en etwas aus seiner Tasche, warf es auf den Boden, und noch bevor es explodierte, zischte er: „Ihr werdet uns geben, was wir wollen!!! Bald!“ Dann waren sie in einer Rauchwolke verschwunden. Von jetzt auf gleich verstummte auch der Lärm der Milliarden Krieger – eine Stille der Enttäuschung setzte ein. Nur um eine Sekunde später von einem lauten „Kraaaaach“ wieder geweckt zu werden: Eine Baumstammrakete mit einer roten Spitze bohrte sich mit einem Mal von unten durch die Wolkendecke und blieb dann auf der Hälfte stecken. „Männer, wir werden die Hilfsmission ’Zuckerwatte oder nichts’ nun starten. Ihr werdet wahrscheinlich sterben, aber das ist dann halt so“, stieg der Erdhörnchen-Anführer, auch Schippa genannt, aus, blickte kurz zur Überraschung aller anwesenden Krieger und der Elite-Detektiv-Truppe zum Turm vom Big-Boss hoch, gab dem Mann dort oben (in weiter, weiter Ferne) auf dem Balkon den dicken Daumen, während Koschalski, Freako und Reivate hinter ihm ausstiegen und sich erst einmal kräftig schüttelten. Mit einem Grinsen erklomm Schippa einen Wolkenhügel und wandte sich dem staunenden Publikum zu: „Soooo, ihr Luschen! Dann wollen wir mal auf die Jagd gehen – und ein paar Wetterfeen und eine Hexe fangen … ihr Greenclouds …

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6 comments on “Wetter: Greenclouds

  1. du hast scheinbar ein DAUERHOCH …

    ähm … also kreativtechnisch … 😳

  2. :)) Ja, bin irgendwie drin, könnt aber auch an dem Espresso liegen, den ich vorhin getrunken hab 🙂