Am 21. Juni werden Aliens landen


Am 21. Juni werden Aliens landen

Am 21. Juni werden Aliens landenAm 21. Juni wird ein Raumschiff die Erde verlassen – und auch wiederkommen. Das ist jetzt klar.

… Die grünen Berge ragten in die Höhe, dazwischen liefen kleine Flüße an ihren Füßen entlang. Es war heiß, feucht, es war der Dschungel von Guilin. Dunkelheit legte sich gerade über den Planeten, ganz China schien sich ebenfalls auf die Nacht vorzubereiten. Aber nicht überall: Mitten in der immergrünen Unendlichkeit erwachte eine kleine Stadt zum Leben. Ganze Berghänge schoben sich mechanisch zur Seite, tiefe, riesige Schächte führten in die Berge hinein. Es rumpelte und knirschte, schwere Ketten mühten sich bei ihrem bereits seit Jahrtausende dauernden Spiel. Und es war auch zu sehen: Blaue Signallichter in langen Linien durchstießen blinkend das Dunkel der Nacht – es war Handelstag. Kaum verstummten die schweren Maschinen, tauchten unzählige Stimmen auf. Hier ein Gespräch, dort wurde bereits um die Waren gefeilscht. In dem Tower herrschte schiere Aufregung. Rund 777 Raumschiffe befanden sich bereits im Landeanflug auf die Erde, die ersten durchstachen bereits die Atmosphäre und steuerten diesen geheimen Märchenwesen-Flughafen mitten in Chinas Dschungel an.

Diamanten, Smaragde, Öl und Seltene Erden

Einige der Händler blickten nach oben, hielten sich die Hände an die Stirn. Was sie nicht alles mitbrachten: Diamanten, Smaragde, Öl, Seltene Erden und noch vieles, vieles mehr, was es auf der Erde in nur ganz geringen Mengen gab. Und sie liebten es, die Menschen. Mit einem Sausen und Brausen näherte sich bereits die erste Maschine. Immer näher und näher kam sie heran. Jeder konnte bereits die ausgefahrenen Füße des Schiffes erkennen. Es war ein älteres Modell von außerhalb dieser Galaxie, das erkannten die Kenner sofort. Grau, mit einigen schwarzen Flecken an der Außenhaut. Ein spitzer Schnabel, aber ein breites Hinterteil. Ein schwarzes Adlerauge mit einem Blitz an der Seite. Die Plasmatriebwerke fuhren sich bereits herunter, jetzt übernahmen die Anti-Graviton-Kristalle die letzten Meter. Und sofort sprinteten die Einhörner los. Ihre Art hatte sich den Handel mit seltenen Metallen unter den Nagel gerissen. Jeder wusste, dass der gerade landende Pilot Tonnen davon dabei hatte. Der Blick der anderen Händler galt dem Himmel, gleichzeitig aber auch der Landeliste. Jeder musste sich anmelden. Tat er es nicht, mussten die Märchenwesen davon ausgehen, dass es sich um einen Angriff, mindestens aber um Piraten handelte. Und so etwas hatte noch nie ein Aggressor überlebt. Auch kein Chinese. Die oberste Führung des Landes war seit Jahrzehnten eingeweiht. Sie hatten noch nie etwas unternommen. Warum auch? Sie hatten Angst, das war klar. Hier handelten die härtesten Lebewesen der Erde. Ihre Sprecher, die Schmetterlinge Martha, Darfo, Sonja und Johnny, wussten, wie und was sie mit den Menschen kommunizierten. Eigentlich war es nichts. Und das war auch gut so. Martha, Darfo, Sonja und Johnny konnten beim Politbüro ein- und ausfliegen. Mao Zedong war der erste Herrscher gewesen, den sie informiert hatten. Und was hatte China davon? Die Volksrepublik wie es sie heute gab, hätte es so niemals geben – hätten die Märchenwesen nicht ihre Finger im Spiel gehabt. Nicht massiv, aber an den ein oder anderen Entscheidungsstellen in der chinesischen Geschichte war das Steinchen, das den Weg bestimmte, in die richtige Richtung gefallen.

Mao Zedong war von Anfang an eingeweiht

Und Mao Zedong hatte auch gewusst, dass es für China nicht gut gewesen wäre, hätte er sich die Märchenwesen zum Feind gemacht. Seit Jahrtausenden waren sie bereits auf der Erde, wahrscheinlich sogar schon bevor es die Menschen gab. In ihren eigenen Märchen und Mythen erzählten sich die Chinesen diese Geschichten. Nicht umsonst kamen auch Drachen darin vor. Nach den letzten beiden Raumschiffen machten sich nun die Lindwürmer dran, „ihre“ Raumschiffe zu begutachten. Sie mussten sich eilen – und huschten schnell in den Berg hinein. „Eigentlich läuft heute Abend wieder alles super, oder?“, fragte Martha einen Erdbeerinha schlürfend ihren Sitznachbarn. Oben im Bergmassiv war ein riesiger Quader herausgeschnitten. Besser: Das Berggestein samt darauf befindlichem Dschungel hatte sich heruntergefahren und der Kommandozentrale den riesigen Ausblick ermöglicht. Von hier konnten die vier Kommandanten alles auch visuell überprüfen. Martha hatte sich einen Bürostuhl hingestellt und schaute die gut 200 Meter herunter, zu den geöffneten Landebahnen des Berges. Johnny überwachte das Radar, Darfo passte auf, dass die Landelisten eingehalten wurden. Sonja hatte heute die generelle Aufsicht. Sie war laut Dienstplan die leitende Offizierin dieses Handelstages. „Ja, es läuft wie am Schnürchen“. Und das war wie im wahrsten Sinne des Wortes: Am Himmel reihte sich ein landendes Schiff an das andere, ihre blauen Lichter schienen eine Perlenkette mitten hinein ins Universum zu bilden. Blaue Perlenpunkte, sternengleich hineinfunkelnd in die Ewigkeit. Wunderschön, einfach wunderschön. Martha schlurfte ihren Erdbeerinha aus. Schlürf, Schlürf, Schlürf. Rülps. Dann stand sie auf und ging über den schwarzen Marmorboden zum Erdbeerinha-Fass. Sie spielte heute nur die Reservistin. Sollte es auf der Brücke einen Ausfall geben, konnte sie einspringen. So sah es das Protokoll vor. Aber da das noch nie passiert war, hatte sie mehr oder weniger frei – und konnte sich vollständig dem Erdbeerinha-Konsum hingeben. Die anderen störte es nicht. An den anderen Handelstagen wechselten die Aufgaben, jeder war mal dran.

Ein Alien stürzt auf die Erde

Zurück auf ihrem Platz, blickte Martha erschrocken drein: „Uiiii“, zeigte sie nun überrascht zum Himmel. Dort tauchte ein rauchendes Raumschiff auf. Es schlingerte und fiel, hob sich wieder in die Höhe. Es streifte das Dach des Dschungels. „Oweia“, hauchte sie. Darfo und Johnny versuchten hektisch, Funkkontakt aufzunehmen. Da blinkte auch schon das rote Telefon an der Wand. Ring, Ring. Peking. Der Verbindungsmann aus dem Politbüro. Sonja ging ran, sprach im perfektem Chinesisch: „外星人來了。不過,我想一個冰淇淋。你現在有真正的翻譯?“ Übersetzt: „Was? Nein. Ja, wir sehen auch, dass das Raumschiff Probleme hat. Einen Moment“, hielt sich Sonja den Hörer an den Flügel, so, dass er chinesische Verbindungsmann kein Wort mehr verstehen konnte. „Wie schauts aus? Die wollen nur wissen, ob wir alles unter Kontrolle haben.“ Martha klebte bereits gespannt an der Panzerglasscheibe, Darfo versuchte immer noch, mit dem Piloten in Verbindung zu treten. Johnny verdrehte die Augen, als er auf der Liste sah, wer der Pilot war: Nessie, vom Loch Ness. Sie hatte erst vor zwei Wochen ihre Fluglizenz gemacht und hatte darauf bestanden, selber einmal eine Lieferung Rohdiamanten zu fliegen. Auf einem nun an dieser Stelle nicht näher zu nennenden Planeten gab es einen See, der nur aus Diamanten bestand. Echte. Mit so viel Karat, das war der Hammer. Es war ein Leichtes, dorthin zu fliegen, die Maschine vollzuladen und dann wieder zur Erde zu fliegen. 250 Euro die Stunde kostete der Flieger, mit dem Nessie unterwegs war. Jeder konnte das Funkeln in ihren Augen sehen, wenn er sich vorstellte, wie sie vor dem See gestanden hatte. „Uiiiii, das ist Nessie!“ Kaum hatte Johnny das Wort ausgesprochen, mähte sie kurz vor der Landebahn die Bäume um, schlug einmal krachend auf den Boden, um dann wieder in die Luft zu fliegen. Aber nicht viel. Nur einige Meter – dann rutschte sie wieder auf dem Boden hart aufschlagend in den Hangar hinein.

Berge von Diamanten kullern heraus

Sofort sprangen die roten Warnlichter der Feuerwehr an, in einem für Menschen nicht hörbaren Ton brausten die Feuerwehren mit ihren Signalhörnern los. Knirsch, Knack, Knirsch, schrabbelte nun das Funkgerät. „Hier Nessie, alles okidoki mit mir!“ Puuuh, atmeten die Freunde durch. „Ist mir auf dem Hinflug auch passiert. Landungen sind vorerst noch nicht mein Ding, aber es macht tierisch Spaß!“. Darfo hatte bereits auf die Kameras im Hangar geschaltet. Das Raumschiff lag schräg zur Seite. Eine Türe war geöffnet, Nessie torkelte wie beschwippst heraus, grinste dabei aber wie ein Honigkuchenpferd. Sie war alleine einmal hin und zurück geflogen. Ganz alleine. Geil. Einfach geil, tanzten in ihr die Glückgefühle in Wellen. Es waren Schauer, die sie völlig euphorisch werden ließen. „Öhm“, nahm Sonja nun wieder den roten Hörer ans Ohr. „Nein, danke, wir brauchen keine Hilfe. Es ist alles gut gegangen. Danke für ihre Hilfsbereitschaft“, hang sie wieder ein. Martha klebte immer noch fasziniert an der Scheibe. Sie sah, wie Berge von Diamanten aus den kaputten Raumschifftüren kullerten – und eine Nessie, die voll berauscht war. „Das will ich auch!“, hauchte sie. Darfo und Johnny drehten sich zu ihr um. Breitbeinig, keinen Widerwillen duldend stand sie vor ihnen. „Ich werde meine Fluglizenz machen – und auch so eine Tour drehen!“ Sonja blickte die beiden Schmetterlingsjungs an, die zuckten nur mit den Schultern. „Öööööhm“, konnten sie eigentlich keine Widerworte finden. Denn: Jedem Märchenwesen stand es zu, eine Fluglizenz zu machen. Und wie man bei Nessie hatte sehen können, schienen die Hürden nicht hoch zu sein. Eher niedrig. Also kurz vor Boden. Eigentlich unten. Und das war machbar. „Öhm, okaaaay…“ Martha nickte grimmig, watschelte über den schwarzen Marmorboden der Kommandozentrale zum Erdbeerinha-Fass und nahm einen kräftigen Schluck.

Am 21. Juni wird ein Raumschiff fliegen

Sonja widmete sich wieder den restlichen Raumschiffen, Johnny arbeitet bereits für Darfo mit. „Also“, hockte der über dem Terminkalender der Flugschule für Märchenwesen: „Am 21. Juni wäre da noch ein Termin frei“, sagte er laut. Sonja drehte sich um und schluckte: „Öhm?“ Ruhe. Stille. „Was???“, zischte Martha bereits. Sie würde den nächsten freien Termin auf jeden Fall wahrnehmen!! Die Lizenzprüfung dauerte nicht mehr als fünf Minuten, das wusste jedes Lebewesen – und sie hatte bereits Flügel. Martha zeigte auf ihren Rücken. Von Natur aus war sie mit Aerodynamik vertraut. Wenn hier einer Pilotin werden konnte, dann sie. Klaro??!! „Öhm …“, gab Sonja zu bedenken. „Da sind doch die mit ihrem Goldenen Buch?“ Johnny zuckte zusammen. Ach ja, stimmte. Das hatten sie mitbekommen. Da gab es eine Gruppe von Menschen, die verkündeten, dass sich am 21. Juni die Aliens der Menschheit offenbaren würden. Das war so etwas wie eine Religion. Am 21. Juni würden sich die Außerirdischen den Menschen zu erkennen geben und die Menschheit einladen, Teil der kosmischen Gesellschaft zu werden. Martha wusste das auch – aber sie interessierte es nicht. Auch nicht, dass sich die Märchenwesen auf der Erde bereits dazu entschlossen hatten, den Handelstag am 21. Juni ausfallen zu lassen und ihn zu verschieben. Sie wollten unter gar keinen Umständen irgendetwas dazu beitragen. „Öhm?“, blickte Sonja Martha bittend an. „Püh“, hob die die Stirn. Ihr könnt mich mal. Ich mach’s trotzdem. Schon sackten die Schultern frustriert zusammen. Das konnte sie vergessen. Sonja, Johnny und Darfo wussten es: Wenn sich ein kleines Schmetterlingsmädchen einmal etwas in den (knallroten) Kopf gesetzt hat, dann blieb das auch so. So war das halt bei kleinen Schmetterlingsmädchen. „Am 21. Juni werde ich mit meinem Raumschiff fliegen – auch wenn eine Sekte meine Triebwerke dann als Zeichen der Erfüllung ihrer Prophezeiungen hält!“ So war das halt bei kleinen Schmetterlingsmädchen. Bums. Aus. Feierabend! …

guckst du Das Goldene Buch

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