Piratengeschichte: Folter


Eine Piratengeschichte mit Folter

Eine Piratengeschichte mit FolterPiraten müssen foltern, das ist klar. Und Gefangene haben dabei nichts zu lachen. Vor allem nicht, wenn sie böse sind.

… Es war dunkel, schwülheiß – und sehr beängstigend. Die „Weiße Libelle“ ruhte, schwankte allerdings leicht auf der Nordsee. Ihr Innerstes war zur Folterkammer geworden. Fürchterliche Qualen mussten die Männer erleiden. Der Geruch von verdorbenen Lebensmitteln, abgestandenem Wasser mischte sich mit dem von Blut und Urin. Sie würden keine Gnade walten lassen. Wahrscheinlich. Zumindest war alles andere sehr unwahrscheinlich. In einen geheimen Verhörraum hatten sie den Captain des nordkoreanischen Containerschiffes mitsamt dreier Matrosen gesperrt. Mehr hatten den Angriff nicht überlebt.

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Diese Geschichte ist Teil des Buches „Die Weiße Libelle“. Hier im Blog entstanden hat sie im Buch noch einmal eine fantastische Verwandlung erlebt! Nur noch rund 60 Prozent von dem, was hier steht, findet sich in dem Piraten-Abenteuer in der Nordsee wieder. Also einfach kaufen, lesen und begeistert sein!

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Besser: Die Potwale hatten den Rest in sich hineingesogen. Ob sie noch lebten, dass hing jetzt ganz von den Walen ab. Aber es interessierte auch niemanden an Bord der „Weißen Libelle“. Denn: Wenn sie herausfinden wollten, wer oder was für die Serie von Umweltverbrechen, ob es Zufall war oder ob dahinter ein perfider Plan steckte, verantwortlich war, dann würden sie das hier von dem Captain oder einem seiner Männer erfahren. Der Captain war allerdings der Oberschurke auf dem Schiff gewesen. Es hatte die Nordsee mit einer riesigen Ölspur verseucht. Und alle Zeichen deuteten darauf hin, dass da mehr hintersteckte als der pure Zufall. „So blöd sind wir nämlich auch nicht“, ballerte Blackbeard Johnny dem Koreaner eine.

„Ich nix verstehen“

„Patsch“, flog sein Kopf von der einen Schulterseite zur anderen. „Ich nix verstehen“, versuchte er noch sein Spiel als unschuldiges Seepferdchen. Aber Pustekuchen, Johnny war schlauer als er. Vielleicht. Nicht unbedingt. Aber Wild Wild Sonja und Lieutenant Darfo waren es schon. So viel war schon einmal klar. Die Baronesse de beau beteiligte sich nicht an diesem Verhör. Sie zog es in diesen Fällen vor, das gute Wetter zu genießen und sich ganz dem Sonnenbad zu widmen. Das war auch gut so. Ansonsten würde es hier unten nur viel zu viele Tränen geben. Und die gab es auch so. Die drei anderen Matrosen heulten wie Sirenen auf ihren Felsen. „Mädchen“, ballerte Piraten-Sheriff Johnny jedem von ihnen eine. Dann ging er zum ersten Matrosen zurück und drückte ihm seinen Sheriff-Stern ins Gesicht. „Siehst du! Weißt du was das ist?“ Die Koreaner waren unsicher, sie wussten, dass sie es hier mit sprechenden Märchenwesen zu tun hatten. Natürlich waren sie hin- und hergerissen. Waren sie bereits tot und das vor ihnen waren die letzten Zuckungen ihrer Gehirne? Hatte ihr Schiff einen schweren Unfall gehabt? Waren sie vielleicht im Koma, lagen in irgendeinem Krankenhaus auf der Intensivstation und das waren hier alles nur Halluzinationen dank der starken Schmerzmittel? Vieles sprach dafür – eines aber nicht. Die Koreaner schafften es, sich untereinander zu unterhalten. Und sie hatten sich bereits gegenseitig Fragen gestellt, die nicht in irgendeinem Traum beantwortet werden konnten. Allerdings war das hier so surreal.

Einhörner, Lindwürmer, Waldschrate

Vor ihnen standen Schmetterlinge. Sprechende Schmetterlinge. Und diese Schmetterlinge waren dazu noch so eigenartig kostümiert. Als wäre das hier ein Maskenball. Und dann noch das Schiff: Es war bunt wie der Regenbogen. Riesig, wirklich riesig groß. Größer als die Schiffe, die sie im 17. und 18. Jahrhundert gefahren hatten. Und so viele Kanonen. Die wunderschönen Tierschnitzereien aus Zedernholz. Hundertfach. Ein einziges Kunstwerk. Dazu noch diese majestätische Galionsfigur. Und die golden Einhörner auf den Hauptsegeln. Und dann noch hunderte Elfen. Alle in grünen Matrosenuniformen steckend. Und noch mehr: Überall liefen Lebewesen an Deck herum, die kannten sie selber nur aus jahrhundertealten Märchen, Sagen und Legenden. Kleine Drachen hatten sie entdeckt, echte Einhörner, Lindwürmer, Waldschrate, Feen und noch viele, viele mehr, deren Namen sie nicht kannten. Das war doch nicht real? Die drei Matrosen waren am Ende ihrer Kräfte. Nur der Captain schien sturer zu sein, er benahm sich wesentlich anders. „So, als ob du mehr weißt, als deine Landsmänner“, beugte sich Wild Wild Sonja jetzt zu ihm herunter. Er funkelte sie mit seinen schwarzen Augen an. „So schwarz wie deine Seele, nicht?“, flüsterte sie ihm jetzt ins Ohr. „Ich weiß, dass du mehr weißt.“ Der Captain grinste. „Ahaaaaaa“, drehte sich Johnny nun um. Er rannte zu ihm hin. „Ich“, hielt er ihm seinen Piraten-Säbel unter die Nase, „lasse mich von dir nicht verarschen!!“ Der Captain zischte mit einem Mal auf, zuckte sogar nach hinten. Ola, was war denn das?

Folter und ein griechischer Gott

Wild Wild Sonja und Lieutenant Darfo schauten sich an. Sie hatten ihn mit Feuerquallen malträtiert, hatten vor ihm stundenlang Zuckerwatte gegessen, hatten zwei volltrunkene Elfen Weihnachtslieder singen lassen, aber nichts, rein gar nichts hatte ihn aus der Fassung gebracht. Aber jetzt? Jetzt hatte er zum ersten Mal so etwas wie eine Reaktion auf ihr Verhör gezeigt. „Johnny?“ „Ja?“, drehte sich der Macho in Lederstiefeln um. Er war nicht blöd, er hatte etwas bewirkt. „Ich bin gut, nicht?“ „Öh“, verdrehte Sonja ihre Augen, Darfo musste kichern. Johnny hatte es zudem noch so gesagt, als wäre er ein griechischer Gott. Siehste, so bin ich: Von Gott gegeben, einfach schön, massiv intelligent – und auf Frauen immer betörend wirkend. Wie ein griechischer Mann, eben. „Öööh“, zeigte Sonja auf den Captain. „Geh bitte noch einmal zu den Dreien dort drüben.“ Johnny schaute sie fragend an, folgte aber ihren Worten. Blackbeard Johnny tuckerte zu den Matrosen herüber, hielt jedem einzelnen von ihnen den Säbel unter die Nase. Außer Geschluchze aber nichts gewesen. „He?“, wurde nun auch der Schmetterlingsmacho misstrauisch. Er schaute den Captain wieder an. Der blickte nun genauso starr wie die ganze Zeit vorher geradeaus. So, als wäre vorhin nichts gewesen.

Die Magie des Sheriff-Sterns

„Hmm“, ging Johnny nun wieder zurück – und je näher er ihm kam, desto nervöser wurde er. Zack, sprang Johnny mit einem Mal nun nach vorne, hielt ihm erneut seinen Säbel unter die Nase. Er wich leicht mit dem Kopf zurück! Ahaaaa!! Johnny ging nach hinten – und der Captain tat wieder so, als wäre nie etwas geschehen. „He?“ Johnny wusste nicht was, aber er spürte es. Mit einem Mal machte er erneut einen Satz nach vorne, diesmal mit seinem Oberkörper sogar noch näher an ihn ran. „Ziiiiiisch“, fauchte der nordkoreanische Captain mit einer Stimme, die nicht von der Erde zu stammen schien. He?? Johnny machte einen Schritt nach hinten. Entspannung. Einen wieder nach vorne. „Ziiiiiisch.“ Nach hinten, nichts. Nach vorne, „Ziiiiiiiisch“. Wild Wild Sonja und Lieutenant Darfo betrachteten das Spiel – und ihr Blick fiel auf Johnnys Brust. Jedes Mal, wenn er sich dem Captain näherte, drückte er ihm den Sheriff-Stern beinahe ins Gesicht. Ein Zufall? „Es gibt keine Zufälle, sagte einst ein sehr weiser Freund zu uns“, murmelten Darfo und Sonja gleichzeitig … und gingen zu Johnny nach vorne. Sie wussten, woher er den Sheriff-Stern hatte. Bei einem ihrer letzten großen Abenteuer in der goldenen Himmelsstadt bei Petrus hatte Johnny den Sheriff-Stern erhalten. Es war ein himmlisches Artefakt, zweifelsohne. Und damit hatte es seine eigene Magie, wenn es hier unten auf der Erde war. Es war unter anderem gemacht aus dem feinsten Material, das das Universum kannte: dem Guten an sich. Und es löste bei dem Captain eine abstoßende Gegenreaktion aus – da musste Schmetterling nur eins und eins zusammenzählen. Bis auf vielleicht Johnny. Der brauchte gerade noch ein wenig.

Ein Geschenk von Zeus und Apoll

Wild Wild Sonja und Lieutenant Darfo waren da weiter. Johnny fuchtelte gerade noch mit seinem Säbel vor dem Captain rum, der zischte wieder nicht menschlich, da packte Sonja Johnnys Rücken – und drückte dem Captain den Sheriff-Stern mitten ins Gesicht. „Aaaaaaaaaaaaah“, brüllte der auf. „Ziiiiiiiiisch“, fauchte ein Wesen in ihm, dass es die drei Matrosen so erschauern ließ, sie kreidebleich wurden. „Schön, mein Freundchen“, zog Sonja Johnny zurück und schaute dem Captain tief in die Augen, tief in seine Seele. „Dann wollen wir mal schauen, wer da in dir steckt“, schnipste sie mit einem Mal in der Luft. Lieutenant Darfo war derweilen einmal nach oben, zu ihrer geheimen Schmetterlingskiste gerannt und mit einer kleinen Ampulle zurückgekehrt. Der Captain riss nun voller Entsetzen seinen Mund auf – aber es war ein stummer Schrei. Blau leuchtete der Saft dort in der Ampulle. Magisch. „Wir haben bisher noch jedes Rätsel knacken können.“ Johnny war zurückgewichen und schaute verdutzt seinen Sheriff-Stern an. Jetzt fiel ihm erst auf, er leuchtete. Je näher er dem Captain war desto intensiver, je weiter er sich von ihm entfernte, desto schwächer wurde das Leuchten. „Öhm“, rieb er sich das Köpfchen, seine Gehirnzellen fingen an zu arbeiten. Konnte der Sheriff-Stern das Böse identifizieren? Noch während er überlegte, schritten Wild Wild Sonja und Lieutenant Darfo zur Tat. Darfo hielt den Kopf fest, Sonja öffnete mit einem Fingerschnipp die Ampulle, packte mit der anderen Hand das Kinn des Captains – und schüttete die blaue Flüssigkeit rein. Sie hatten sie damals von Zeus und Apoll geschenkt bekommen. Und dazu hatten sie ihr was ins Ohr geflüstert. Niemand hatte es damals mitbekommen, aber nun war der Moment gekommen, da sie sie einsetzen musste.

Das Böse zeigt sein Gesicht

Und sie wirkte: Kaum war der erste Tropfen auf der Zunge gelandet, flutschte der Rest schon hinterher. Es lief ihm seine Kehle herunter, in seinen Magen – und der pumpte es in Sekundenschnelle durch dessen Körper. Erst bildete sich ein strahlend blauer Punkt auf Höhe seines Bauchnabels, dann breitete es sich wie Spinnenweben aus. „Aaaaaah“, schrie der Captain. Er entwickelte mit einem Mal solch eine Kraft, dass Darfo ihn nicht mehr halten konnte. Der Captain zitterte und zehrte herum, zerriss seine Fesseln, sprang übermenschlich auf. Und dann: Mit einem Ruck riss er sich das Oberhemd vom Körper, schaute voller Panik auf seinen blauen Bauch. Es pumpte sich immer weiter durch ihn hindurch. „Nein, nein, nein“, rief nun eine fürchterlich tiefe Stimme aus seinem Mund – die aber niemals von dem Nordkoreaner kommen konnte. So, als ob irgendjemand anderes, jemand sehr finsteres, von weit, weit weg durch die Augen des Captains schaute und zusehen musste, wie der blaue Saft diesen Körper eroberte. „Nein“, brüllte sie, die tiefe, tiefe, böse, böse Stimme. Es schoss ihm bereits in die Gliedmaßen. An beiden Schultern verliefen die blauen Linien in die Arme hinein, an den Hüften suchten sie sich ihren Weg in die Beine. Ein Kampf. „Aufhören, anhalten!!!“, befahl das weit entfernte Wesen – aber es machte nicht Halt. Und zum Schrecken der Matrosen, von Johnny, Darfo, Sonja und Johnny rammte der Captain sich nun seine eigene Hand in den Bauch. Tief hinein.

Eine neue Spur

Gefesselt blickten die Schmetterlinge ihn an, die Matrosen fielen in Ohnmacht. Das war zu viel. Aber Rauch erfüllte nun den Raum. Jetzt trat die eigentliche Magie vollständig zutage: Auf dem Boden unter dem Captain formte sich in ihrer vollen Magie eine blaue Rose, mit feinen Linien gezeichnet, wie flüssiges Metall. Und die Linien liefen aus ihm selbst heraus. Kaum erfüllte das blaue Licht den geheimen Folterraum in der „Weißen Libelle“, kaum war die magische blaue Rose voll gezeichnet, da wurde aus den blauen Spinnennetz, das den Captain vollständig umgab, ein komplette blaue Haut. „Naaaaaaaaaain“, rief die Stimme ein letztes Mal, dabei wurde sie immer schwächer, schien sich weit weg zu entfernen. Es knirschte und knarschte, so als ob Eis brechen würde. Und tatsächlich: Der blaue Körper vor ihnen wurde von Rissen durchrzogen – und zerbarst mit einem Mal wie ein gebrochener Spiegel. Päng! Und zurück blieb: ein kleiner Kreidefelsenkobold! Nackt hockte er mit seinem roten Körper auf dem Boden, war völlig überfordert mit dem, was mit ihm geschehen war. Lieutenant Darfo und Wild Wild Sonja wussten was Sache war, sie hatten jetzt eine heiße Spur: „Helgoland“, hauchte Wild Wild Sonja. „Wir müssen zum sagenumwobenen, mystischen Helgoland …

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Liebe Leser, diese Geschichten wurden „live“ in diesen Blog geschrieben und einmal direkt im Anschluss Korrektur gelesen. Ihr mögt mögliche Fehler daher entschuldigen. Vielleicht gebt Ihr aber bitte bei der Sichtung eines Fehlers (inhaltlich oder von der Rechtschreibung her) einen Hinweis in Form eines Kommentars? Und: Hieraus wird wie immer ein Büchlein entstehen. Ein richtiges Korrektorat und Lektorat werden noch folgen. Die Schmetterlinge Martha, Darfo, Sonja und Johnny sowie alle anderen Märchenwesen danken Euch!!!

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