Piratengeschichte: Plage


Eine Piratengeschichte mit einer Plage

Eine Piratengeschichte mit einer PlageEine Plage ist nichts Schönes, vor allem dann nicht, wenn kein Retter in Sicht ist.

… Es war ein Bild für die Götter: Die regenbogenfarbene „Weiße Libelle“  segelte mit ihrer goldenen Galionsfigur, mit ihren Einhorn-Segeln, mit ihren riesigen Kanonenreihen, mit ihrer fleißigen Besatzung, umringt von tausenden Mini-Heißluftballons in den Hafen von Atlantina ein. Und er war: klein. „Stopp!“, brüllte die Anführerin der Luftwaffe durch ihr Megaphon. Sofort holten Elfen und Einhörner die Segel ein, Lindwürmer und Osterhasen machten den Anker startklar. Kaum bewegte sich die „Weiße Libelle“ nicht mehr, platschte er runter ins Wasser. Platsch. Sie waren da.

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Diese Geschichte ist Teil des Buches „Die Weiße Libelle“. Hier im Blog entstanden hat sie im Buch noch einmal eine fantastische Verwandlung erlebt! Nur noch rund 60 Prozent von dem, was hier steht, findet sich in dem Piraten-Abenteuer in der Nordsee wieder. Also einfach kaufen, lesen und begeistert sein!

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Die Mini-Nordsee-Amazonen nannten es eine Beschlagnahmung, die Offiziere der „Weißen Libelle“ um Captain Wild Wild Sonja nannten es einen Besuch. Jetzt lag das monströse Piratenschiff der Märchenwesen noch gut 100 Meter vor den Anlegestellen. Denn: Es war einfach viel zu groß, um in Atlantina direkt einzufahren. „Bitte verlasst jetzt das Schiff!“, kam es erneut aus dem Megaphon. „Jipiiiii“, riefen sofort einige Elfen, zogen sich Schwimmflügelchen an und sprangen über Bord. Blackbeard Johnny, die Baronesse de beau, Lieutenant Darfo und Wild Wild Sonja zogen es standesgemäß vor, eines ihrer Landungsboote zu nehmen. Und nicht alle Märchenwesen an Bord hatten Lust auf einen Landgang. Einige hatten es sich bereits auf den Liegestühlen bequem gemacht. Irgendwer musste ja die „Weiße Libelle“ bewachen. Marine-Offizier Mo Hendrichs war einer davon. Und er hatte dabei auch noch ein Problem: Diesmal konnte er schon wieder nichts sehen. Gemeint war damit: Er sah die Insel Atlantina nicht. Und das hatte er mit aller Wahrscheinlichkeit seinen menschlichen Augen zu verdanken.

Der größte Schatz der Insel

Davon waren zumindest die Märchenwesen überzeugt. Das hatten sie schon allzu oft bei Menschen erlebt. Hier gab es leider keine Hilfe. Mo Hendrichs sah nur die Nordsee, wo die Märchenwesen Atlantina sahen. „Kein Problem! Bevor ich noch untergehe, bleibe ich lieber an Bord“, hatte er freiwillig seine Arme gehoben, war zum Kuchenbuffet gegangen, hatte sich zusätzlich einen Liter Erdbeerinha genommen und es sich wieder in seinem Liegestuhl bequem gemacht. „Nehmt mich mit“, rief hingegen Wolkenjunge JayJay, der es fast verpennt hatte. Mit Anlauf rannte er zur Reling, sprang mit einem Satz über Bord – und landete federleicht in dem Landungsboot der Schmetterlinge. „Na, auch mal wieder wach?“, grinste ihn Schmetterlingsmacho Johnny an. Die Mini-Heiluftballons lösten jetzt ihre Formation um die „Weiße Libelle“ auf und reihten sich hintereinander. Wie eine Perlenkette wiesen sie jetzt den planschenden Elfen und den Landungsbooten den Weg in de Hafen – beziehungsweise zum Strand. Atlantina sah wirklich wie eine Karibik-Insel aus. Wunderschön. Es gab sogar zwei große Felsen, von denen Wasserfälle in kleine Seen stürzten. In der Mitte der Insel war das Dorf, die Festung der Atlantinerinnen. Kaum erreichten die Boote Land, sprangen die Offiziere bereits von Bord. Einhorn Pinki war selbstverständlich mit dabei. Und sie wurden bereits erwartet: Gut hunderte mit Speeren und Schwertern bewaffnete Mini-Nordsee-Amazonen standen stocksteif in ihren Uniformen am Strand, um sie zu eskortieren. Das Ziel: ihre königliche Majestät Rexina von Atlantina. Darfo musste kichern: Die kleinen Insel-Damen gingen ihm noch nicht einmal bis zum Knie. „Respekt“, ließ Blackbeard Johnny seiner Verwunderung bereits freien Lauf. Sie hatten kleine Dampfmaschinen, mit denen sie Fahrzeuge wie aus dem Mittelalter antrieben. Kutschen mit Motor, quasi. Sie kamen an großen Backstätten vorbei, an Krankenhäuser-Zelten, eigentlich an allem, was die heutige Zivilisation so zu bieten hatte. Halt nur im Mittelalter-Look, alles ein wenig behelfsmäßig, aber es schien zu funktionieren. Und sie sahen wunderschöne Buchsbaumplantagen. Mit Liebe gepflegt. Herzblut seit Generationen steckte darin. Das war sofort zu erkennen. Und sie hatten fantastische Figuren aus ihnen rausgeschnitten. Es schien, als wäre das der größte Schatz der Insel. Aber irgendwas stimmte hier nicht. Sie wirkten so … kränklich.

Rexina von Atlantina

Einige sahen aus, als würden sie vertrocknen, einige sahen irgendwie angefressen aus. Wenn auf dem Markplatz schon viel los gewesen war, dann hier erst recht. Jeder Baum schien einen eigenen Hilfstrupp von Gärtnerinnen zu haben. Sie beschnitten sie, sprühten sie ein, machten sich Notizen. Aber jedem Zuschauer war klar: Sie schienen den Kampf zu verlieren. Und irgendwie wirkten die Arbeiterinnen geschwächt. „Huup, Huuup“, ließ sie ein motorisiertes Holzfahrrad nun zurückschrecken. Mitten durch die Kolonne preschten anscheinend zwei Teenager-Amazoninnen, die Baronesse de beau musste sofort aufgrund der qualmenden Abgase husten. Röchel, Röchel. „Äiii“, brüllten drei Soldatinnen dem Rad hinterher, sie hatten sich die Rüpel gemerkt. Dann husteten sie allerdings auch. Aber anders. Hust, Hust. Die Schmetterlinge kamen an den Waffenschmieden vorbei, und auch am großen Marktplatz. Hier wurde alles gehandelt, was die heimische Landwirtschaft zu bieten hatte. Johnny saugte alles in sich auf, sein Blick hatte sich bereits verschoben. „Es ist wirklich erstaunlich, dass es hier überhaupt keine Männer gibt“, flüsterte er heimlich, still und leise in Darfos Öhrchen. „Wie halten die das nur aus?“ Sein Interesse war nun bei den Damen der Insel gelandet. Sie waren wirklich gut gebaut. Hier gab es anscheinend keine einzige Dame, die irgendwie Übergewicht hatte. Okay, bis auf eine. „Öhm“, schreckte Johnny auf. Sie hatten ihr Ziel erreicht: Vor ihnen thronte Rexina von Atlantina, Königin der Atlantinerinnen. Und sie war … echt schwergewichtig. „Ihr!“, rief sie von ihrem Thron aus Bambusholz aus röchelnd, eher krank als gesund, „seid hier nicht willkommen!“ Demonstrativ verschränkte sie ihre Arme, zog schniefend eine desinteressierte Miene auf. Ruhe. Stille. Pause. Dann beugte sich eine Beraterin von hinten zu ihr nach vorne und flüsterte ihr etwas ins Ohr. „Ööööh“, hörten sie sie alle leidig aufstöhnen. Die Königin war krank, das war offensichtlich. „Ich bin schon froh, dass sie nicht will, dass wir vor ihr auf Knie gehen“, murmelte Einhorn Pinki jetzt. Wild Wild Sonja blickte sie an. „Mein Ischias“, zeigte Pinki nach hinten auf ihren Rücken. „Hihi“, konnte sich Lieutenant Darfo ein Kichern nicht verkeifen. Sie hatten sich allesamt vor Abfahrt darauf geeinigt, dass sie machen würden, was die Damen der geheimnisvollen Insel von ihnen wollten. Damit gewannen sie Zeit. Zeit, die sie nutzen konnten, um mehr über dieses Mini-Völkchen zu erfahren. Und Zeit, die die Möwen nutzen konnten, um auf der Insel so viele Informationen zu sammeln, wie sie in der Lage waren. Und sie waren bereits unterwegs. Deutlich konnten alle Piraten der „Weißen Libelle“ erkennen, wie die Möwen unter jedes Handtuch, in jedes Zelt, hinter jede Gardine schauten. Aber es dauerte etwas, die Insel war jetzt nicht unbedingt klein. Das Wichtigste: Sie mussten erst einmal herausfinden, ob die Mini-Amazonen gut oder böse waren.

Ihr seid hier nicht willkommen

Gut, ihr Bauchgefühl verriet ihnen eigentlich sofort, dass es sich hier um nichts Übles handeln würde – aber Märchenwesen mussten nun einmal auf Nummer sicher gehen. Und Darfo sah gerade, wie ein Weihnachtself von einer der Mini-Amazonen-Soldatin in der hintersten Reihe der Eskorte ein kleines Zettelchen zugeschoben bekam. Sie hustete leise, riss sich aber zusammen. Moment? Darfo rieb sich die Augen – und schon taten beide so, als wäre nie etwas passiert. Habe ich jetzt gerade geträumt, fragte sich Darfo. Niemand kannte dieses Volk bisher. Es war die geheimste Geheiminsel der Nordsee, so nannten sie sie selber. Sogar auf der magischen Seekarte der Märchenwesen war sie nicht eingetragen. Und was darin nicht verzeichnet war, das durfte es nicht geben. Eigentlich nicht. Gut, sie waren Märchenwesen, da durfte es so vieles nicht geben. Aber wenn sie vorher nicht wussten, dass es sie gab, dann konnte es auch niemand anderes wissen. Und doch! Da! Und wieder! Darfo zwickte Blackbeard Johnny in den Arm. Die Königin kam immer noch nicht in die Hufe. Sie schmollte. „Die Soldatin hat dem Elfen da hinten etwas zugeschoben!“ Johnny riss erschrocken die Augen auf. Die Elfen flirteten bereits mit den Soldatinnen?? Sofort ergriff ihn eine innere Unruhe. „Nein, nicht das, du Honk!“ Johnny blickte Darfo grummelig an. Wie jetzt? Langsam wanderten die Augen des Elfen und der hustenden Soldatin zu Darfo und Johnny. Hatten die beiden Offiziere was gesehen? „Ihr seid hier nicht willkommen“, wiederholte jetzt die Königin erneut und lenkte damit die Aufmerksamkeit von Darfo und Johnny wieder auf sich. „Wenn es nach mir geht, zumindest“, richtete sie sich auf. Eher widerwillig. „Ihr seid in unsere Hoheitsgewässer eingedrungen, obwohl wir eine Quarantäne ausgerufen haben!“ He? Wild Wild Sonja verstand nicht. Waren die hier krank? Mist, schoss es ihr durch den Kopf. Wenn die jetzt was Ansteckendes haben sollten … Wild Wild Sonja riss sich zusammen und ging einen Schritt nach vorne. „Wir wussten nicht, dass es Atlantina gibt. Wir dachten, wir segeln auf offener See!“ Jetzt war es Rexina von Atlantina, die nicht verstand. „Unser Königreich gibt es bereits seit mehreren 100 Jahren, erklärt uns, wie ihr uns nicht kennen könnt!“ Wieder ging von hinten eine Beraterin zur Königin und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Dabei zeigte sie auf Wild Wild Sonja und die anderen Schmetterlinge. Und auf die Einhörner, die Lindwürmer, JayJay und die Osterhasen. Auch auf die zwei Waldschrate, die sich dieses Abenteuer hatten nicht entgehen lassen wollen. Und auf das komische Fischwesen, das mit an Bord gewesen war, jetzt aber mit den Füßen in einem großen Eimer Wasser bei ihnen stand. „Oho, aha!“

Akademische Beistand der Königin

„Wir wussten nicht von eurer Existenz, das schwören wir, so wahr uns die Zuckerwatte helfe“, rief Wild Wild Sonja. Das war der Moment der Baronesse de beau. Zur Überraschung der Anwesenden machte sie jetzt zwei Schritte nach vorne. Für diesen Inselausflug hatte sie sich in ihr elegantes Gelbes geworfen. „Wenn ich das beweise dürfte“, fummelte sie bereits unter ihrem Unterrock herum. Gut, für eine Karibik-Insel war das definitiv zu warm gewählt, aber sie musste ihrem Rang entsprechend etwas hermachen. „Ah, gleich hab ich es“, fummelte sie weiter in ihrem Rock herum. Zwei Mini-Amazonen-Soldatinnen wurden misstrauisch, kamen auf sie zu und zeigten mit ihren Speeren auf sie. Keinen Unsinn machen Kleines, sonst pikts. Hust, Hust. „Da“, jubelte Martha erleichtert, „ich habs“. Es wirkte, als hätte sie komplett den Inhalt ihrer Handtasche unter ihrem Rock. Wer Frauen mit großen Handtaschen kannte, der konnte sich schon wundern, was sie da alles rein bekamen. Wenn einige direkt ihren Fön oder ihren Badezimmerspiegel mit drin hatten, würde das auch niemanden wundern. Und schwuppsdiwupps hatte sie es draußen: die magische Seekarte. „Als Beweis und in meiner Offiziersfunktion als Navigatorin will ich euch zeigen, dass wir wirklich keine Ahnung davon hatten, dass es euch gibt. Und wir daher auch nicht wissen konnten, dass hier eine Quarantäne eingerichtet wurde!“ Martha latschte nun begleitet von den beiden Soldatinnen auf den Thron der Königin zu. Sie hatte eigentlich ein schönes Gesicht, diese Mini-Frau. Nur an ihrem Stoffwechsel, daran sollte sie unbedingt arbeiten. Eine der Beraterinnen kam nach vorne zu Martha gelaufen. Jetzt machte sich auch Wild Wild Sonja auf den Weg. Ging ja mal gar nicht, dass sie als Captain der „Weißen Libelle“ an den Gesprächen nicht teilnahm. Als Sonja Martha erreichte, hatte diese bereits die magische Seekarte ausgerollt. „Hier ist die Nordsee – und eigentlich sind wir hier!“, zeigte sie nun auf die magische Seekarte und hielt sie schräg nach unten. Ja, staunte die Beraterin nach oben guckend nicht schlecht. Sie nahm sich ihr Taschentuch und schnufte einmal kräftig. Dann steckte sie es wieder weg. Sie konnte sehen, dass Atlantina da nicht eingezeichnet war. „Und eure Seekarte ist auch definitv magisch?“ He? Hallo?! „Wir sind nicht unbedingt Menschen“, wackelte Martha mit ihren Flügelchen. Sofort rammte sie die Seekarte in den einen Speer vor ihr. Er riss ein kleines Loch hinein – und drei Sekunden später wuchs die Seekarte wieder zusammen. So, als hätte es nie ein Loch gegeben. Die Beraterin schaute zur Königin auf, die winkte nur müde mit der Hand. „Delfina!“, rief die Beraterin mit nasaler Stimme. Eine Art von Wissenschafts-Mini-Amazone kam in ihrem weißen Kittel von hinter dem Thron zu Martha und Sonja gerannt. Anscheinend war das der akademische Beistand der Königin.

Der nautische Magierzirkel

Delfina holte aus ihrer weißen Robe eine Lupe und betrachtete hüpfend die magische Seekarte von der Nähe. Martha hielt sie ihr tiefer hin. Sie schaute links oben, rechts unten. In der Mitte, runzelte mit einem Mal die Stirn – und leckte einmal an einem Zipfel von ihr. Sofort wurde die Stelle rot. „Aha!“ Aha? Martha und Sonja hatten keine Ahnung, was die Wissenschaftlerin herausgefunden haben wollte. „Wann habt ihr das letzte Update durchgeführt?“ Update? „Öhm“, machten die beiden einen sofort auf Unschuldslämmchen. Update? Davon hatten sie noch nie etwas gehört. „Die Karte befindet sich noch im Zustand des frühen Mittelalters, Ende Antike. Da gab es vom nautischen Magierzirkel, Abteilung Seekarten, bereits zwei Verbesserungen!“ Hui! Respektvoll schauten sie die Mini-Amazone mit ihrem weißen Kittel an. „Beim letzten Update ist der Status von der geheimen Geheiminsel dahin verschoben worden, dass wir jetzt zumindest auf magischen Seekarten zu sehen sein sollten!“ Wild Wild Sonja zuckte mit den Schultern. „Wir sind gute Piraten – und die magische Seekarte war von Anfang an Bord der Weißen Libelle. Wir jagen das Böse, das ist unsere Mission!“ „Huuuuuuuch“, schreckten jetzt alle Mini-Nordsee-Amazonen zusammen, einige husteten dabei. Sie waren Geisterjäger? Mit einem Mal kam auch Leben in Rexina von Atlantina. Mit weiten Augen schaute sie sie jetzt an. „Ihr, ihr jagt das Böse?“ Wild Wild Sonja, Martha de beau, Lieutenant Darfo und Blackbeard Johnny kamen nun vorne zusammen. Stolz hoben sie ihre Brüstchen. „Ja, unsere Aufgabe aktuell ist es, die Ursache für all die Katastrophen, die die Nordsee heimsuchen, zu finden – und es auszulöschen!!“ Tuschel, Tuschel, Tuschel. Die Atlantinerinnen wurden nervös. „Wie wollt ihr das machen?“ „Es aufstöbern, es jagen, es erledigen!!!“, raunte jetzt Lieutenant Darfo grimmig. Er war fest entschlossen – und das konnten alle sehen. Die Atlantinerinnen spürten, dass sie es alle ernst meinten. Darfo spürte allerdings auch, dass der Blick der Königin vorbei an den Schmetterlingen nach hinten zu den Elfen ging. Einige standen dort in ihren grünen Matrosen-Uniformen, andere hatten noch Badehose und Schwimmflügelchen an. Aber alle nickten zustimmend. Und das wirkte irgendwie bei der Königin. Es blieb aber den Schmetterlinge gerade keine Zeit, sich darüber Gedanken zu machen.

Eine Insel voller Plagen

„Und wir werden siegen“, rannte Einhorn Pinki selbstbewusst nach von vorne, bei seiner Bremsung wirbelte die Dollar-Goldkette hin und her. Hui! Auch die Einhörner waren sich ihrer Sache sicher. „Wir, wir …“, schien die Königin nun nervös auf ihrem Thron hin und her zu rutschen. „Wir wussten nicht, dass ihr das seid!?“ Ruhe. Stille. Wie jetzt? Das musste gerade einmal wirken. Fragend blickten Darfo, Sonja, Johnny und Martha sie an. „Die Winde haben uns erzählt, dass ein Schiff kommen … und uns alle retten wird!“ „Ja, wir haben ein Schiff“, murmelte Johnny. Königin Rexina schluchzte. „Mein Volk! Ich!“, schienen sich jetzt beim Anblick der Schmetterlinge alle Fesseln zu lösen. Sie hatten ihre Retter vor sich, und sie hatten sie nicht erkannt! Dann sprudelte es aus ihr heraus. „Wir sind heimgesucht worden!“, fing sie mit einem Male an zu weinen. Es dauerte nur wenige Sekunden, da schluchzten sofort alle Mini-Bewohnerinnen dieser Insel mit. Als hätte die Königin ihrem Volk gerade die Erlaubnis gegeben. Vor wenigen Tagen hatten die „Schwarzen Schatten“ ihre Insel passiert. Sie wussten nicht genau, ob sie über die Insel gekommen waren. Aber allein ihr Vorbeizug in der Nacht, den die Wachen am Strand beobachtet hatten, hatte dafür gesorgt, dass Plagen über Atlantina hergefallen waren. Ihr Wasser war so gut wie nicht mehr trinkbar, ihre kostbaren Buchsbaum-Kunstwerke gingen ein. Tote Fische fanden sie jeden Morgen am Strand. Sie brauchten den ganzen Tag, um die Kadaver zu beseitigen – am nächsten Morgen ging seit dem Vorbeizug der „Schwarzen Schatten“ alles wieder von vorne los. Und sie waren erkrankt. Aber nicht alle: Die Soldatinnen, die die „Weiße Libelle“ „erobert“ hatten, die Soldatinnen, die hier die Eskorte bildeten, die Gärtnerinnen, die Schiedinnen, die Bäckerinnen, die sie gesehen hatten, waren die Letzten, die es noch nicht erwischt hatte. Die Märchenwesen hatten vorhin nicht in die Krankenhaus-Zelte schauen können – aber sie waren alle voll. Sie hatten alles nur Erdenkliche, doch ihre Medizin schien nicht mehr zu wirken. Das Volk von Atlantina zählte rund eine Million Lebewesen – nur noch wenige Zehntausende waren noch gesund. Zahl fallend.

Die Eskorte

„Die Winde haben uns berichtet, dass ein regenbogenfarbenes Schiff kommen wird – und es die Rettung ist.“ Die Königin schien sich langsam wieder zu fangen und schaute auf. „Unser Schiff ist so bunt wie der Regenbogen“, merkte Einhorn Pinki an.. „Graues Einhorn, ist das dein Ernst?“ Darfo schaute erstaunt Wild Wild Sonja an. Graues Einhorn? Konnte es sein? „Welche Farbe hat das Kleid dieser wunderhübschen Dame?“, zeigte Darfo auf Martha. Nicht wissend, was er von ihr wollte, antwortete sie. „Grau?“ Jetzt fingen die Nordsee-Amazonen an zu verstehen, die Märchenwesen auch. Eine weitere Plage war anscheinend, dass die gesamte Bevölkerung farbenblind geworden war – und sie hatten es nicht in ihren Köpfen realisieren können. „Was für ein fieser Zauber“, spuckte Martha aus. Farben waren das schönste Geschenk, dass der Planet Erde den Lebewesen gemacht hatte. Also, mit eines der schönsten Geschenke. Die Soldatinnen, die Martha, Darfo, Sonja und Johnny noch bewacht hatten, waren bereits verschwunden. Zweifelsohne war die Mannschaft der „Weißen Libelle“ jetzt frei. Schon sackte die Königin auch wieder müde, abgeschlafft, desinteressiert in ihrem Thron zusammen. Das war ihre Plage. Aber ihr Geist schaffte es, für heute noch einmal alle verbliebenen Energien aufzubringen. „Nehmt diese 30.000 Soldatinnen von mir. Nehmt sie mit ihren Heißluftballons auf euren Weg. Möge der Himmel, das Meer und all das, woran ihr glaubt, bei euch sein – damit ihr uns und all die anderen rettet …

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Liebe Leser, diese Geschichten wurden „live“ in diesen Blog geschrieben und einmal direkt im Anschluss Korrektur gelesen. Ihr mögt mögliche Fehler daher entschuldigen. Vielleicht gebt Ihr aber bitte bei der Sichtung eines Fehlers (inhaltlich oder von der Rechtschreibung her) einen Hinweis in Form eines Kommentars? Und: Hieraus wird wie immer ein Büchlein entstehen. Ein richtiges Korrektorat und Lektorat werden noch folgen. Die Schmetterlinge Martha, Darfo, Sonja und Johnny sowie alle anderen Märchenwesen danken Euch!!!

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