Schweinegrippe kreuzt Schmetterling – liebenswertes Düsseldorf


Schweine können so süß sein, aber nur, wenn sie nicht die Schweinegrippe haben. Menschen eigentlich auch. Aber die können wiederum richtig fies sein. Kommt dann noch ein Schmetterling dazu …

… „Ich war heute in der Uni Düsseldorf“, sagte die vierjährige Nina stolz in ihrem Bettchen liegend, zog den Teddybär Momo nah an ihr Gesicht und strahlte Schmetterling Lukas an. Der hockte neben der Kleinen auf den Knien und inspizierte die blaue Glühbirne des Nachtlichtes – seit „One“ das vereinbarte Zeichen des Widerstandes und der Gemeinschaftszugehörigkeit-.  „An der Uni?“ „Ja, ich durfte nicht in den Kindergarten! Mama ist doch Dozentin!“ Lukas schaute entsetzt auf, drehte sich um. Das Nachtlicht mit Schmetterlingsschirm war in Ordnung. „Dann hast Du ja all Deine Freunde und Freundinnen nicht gesehen!“ „Und gesungen hab ich auch nicht. Dafür aber im Hörsaal.“ „Wie im Hörsaal?“ Jetzt wusste Lukas nicht mehr, was er sagen sollte, setzte sich auf die Kante und ließ seine Beinchen runterbaumeln. Interessiert schaute er in ihre funkelnden Augen. Er hatte sie vor zwei Jahren kennengelernt, eher zufällig, wie das bei Schmetterlingen halt so ist. Nina wollte sich gerade ein Kaugummi in die Ohren stecken… als sie ihn sah. Er sah sie. Das eine kam zum anderen…und wie es im Leben so kommt, bei kleinen Schmetterlingen ganz besonders, war das schon Grund genug, um einen Bund der Freundschaft fürs Leben zu schließen. „Na, bei meinem Bruder in der Schule ist Schweinegrippe und sie ist geschlossen worden. Und dann haben sich die Kindergarten-Eltern vor der Türe versammelt, und mich nicht zu den anderen reingelassen. Da musste mich Mama mit zur Arbeit nehmen. Sie hat eine Vorlesung gehalten.“ Schluck. Lukas wusste nicht, was er sagen sollte. Doch sofort fing es in seinem Bauch an, zu grummeln. Wow. Er hätte nicht gedacht, dass er so sauer werden konnte. In seinem Kopf wuchs ein Gedanke, bis er fast ausgereift war. „Was ist mit Dir“, wollte Nina neugierig wissen. „Warte eine Sekunde“, sagte Lukas noch, dann dematerialisierte er sich. Hihi. Das fand Nina immer klasse. Wie macht er das nur? Das wollte sie auch können, wenn sie groß war. Mit einem „Plopp“, tauchte er wieder auf…und hatte einen ernst drein schauenden Schmetterlingsmacho Johnny dabei. „Hallo Johnny“, sagte sie freudig. „Hi Nina, was hab ich da gerade gehört?“ „Ihr kennt euch?“ „Klar, kennen wir uns!! Nicht wahr, mein Schatz?“ Wie jetzt, dachte Lukas sofort. Er war empört … Sebastian Feuerstiels persönlicher Schmetterling dachte, sie wäre seine Freundin. Anscheinend hatte sie hinter seinem Rücken da noch andere Kontakte geknöpft. Luder. Und wenn sie schon einen anderen hatte, dann war es auch gut möglich, dass sie gleich noch mehrere Beziehungen am Laufen hatte. Und wo blieb die Schmetterlings-Monogamie? Treue … tsss … Kaum hatte er diesen Gedanken ausgedacht, da tauchten Sonja, Darfo, Martha und Mathilde noch auf … sehr zur Freude von Nina. „Hallo Sonja. Hallo Darfo. Hallo Martha. Hallo Mathi“, quieckte Nina jetzt schon fröhlich, begrüßte alle und richtete sich auf. Momo war jetzt Nebensache. Die Schmetterlinge schauten sich alle gegenseiteig entsetzt an. „Pssst, Deine Eltern dürfen doch nicht wissen, dass wir da sind.“ Uuups. Schnell packte Nina beide Hände vor den Mund und drückte sie fest auf ihre Lippen. Alle schauten zur Türe und lauschten. Keine Schritte, kein Licht durchs Schlüssellloch. Puuuuh. Schwein gehabt. „Uuuf“, kam es aus allen heraus. Aus allen??? Erschrocken schauten sie sich an … Mist … die Kleine musste geteilt werden – was aber niemand hier sagte, war, dass sie alle schon Tausende von Freunden oder Freundinnen wie Nina hatten. Es musste mittlerweile so kommen, dass sie sich trafen – Johnny berappelte sich als Erster: „Und was war jetzt mit Deiner Mama?“ Nina fing sofort an: „Die haben zu ihr gesagt, dass sie wegen ihrem eigenen beruflichen Interesse das Kind im Kindergarten abgibt und nicht zu Hause auf mich aufpasst.“ Schluck. Es dauerte nur eine Millisekunde, da waren alle Schmetterlingsköpfchen knalle rot vor Zorn. „Die Eltern von wem?“ „Von Michi, von Julia…“ Nina zählte rund 15 Namen auf. Bei jedem Namen nickte einer der Schmetterlinge entschlossen und sicher. Sie waren anscheinend alle ihre Freunde. Besser konnte es nicht gehen. Sofort übernahm Johnny das Kommando. Sie wussten alle, was jetzt zu machen war. „Du, den Zucker“ Martha nickte und verschwand. „Du, das Koffein.“ Darfo nickte und war weg. „Wie lange?“, raunte Lukas. Johnny kratzte sich am Kopf. „Zwei Wochen?“ „Sagen wir besser vier!“ „Nee, sechs“, legte Mathilde den Strafzeitraum fest. Alles klar! Die beiden nickten, flogen mit Mathilde zu Nina, gaben ihr ein paar Küsse auf die Stirn, die kitzelten, und sagten mit verliebten Augen: „Gute Nacht.“ Dann waren alle verschwunden…

… Die Kinderärzte konnten den Eltern in den kommenden Wochen auch nicht sagen, warum keines ihrer Sprößlinge mehr schlafen konnte, und sie die ganze Nacht mit irgendwelchen Sachen wach hielt. Lauter Gesang, an der Spülmaschine nachts rumfummeln, der Staubsauger, das Schlagzeug … manchmal hatten einige schon das Gefühl, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuging …

… Auf dem Bett der Mutter-Dozentin lag in genau demselben Zeitraum jeden Morgen einen blaue Rose auf dem Kopfkissen, direkt neben ihrer Nase, die sie den Tag begrüßen ließ …

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