Weihnachtsgeschichten: Das Fest der Liebe


…Das Schwarz der Nacht wurde durch die goldfunkelnden Sterne unterbrochen, schafften sie den perfekten Schein. Leicht rieselte der Schnee. Der Weihnachtsmann saß nach Feierabend auf der Veranda, wippte in seinem Schaukelstuhl und genoss einen heißen Honig mit einem Spritzer Spekulatiustee. Der Phoenix hatte sich leicht glühend in den weißen Bart gekuschelt und hörte den Geschichten der drei blauleuchtenden Glühwürmchen zu. Aber nicht zu spannend durften sie sein. Denn jedes Mal, wenn die Angst in ihm hochkam, feuerte er sich ein wenig mehr an, und dann schmorrte der Bart. Ein Murren von Santa. Alle nahmen sie im Hintergrund das ruhige Gebrabbel von Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donder und Blitz wahr. Einzig die Jung-Rentiere von Martha, Darfo, Sonja und Johnny sorgten mit ihren Wettläufen im Gehege für ein wenig Unruhe. Die Elfen störte das nicht. Ihre Kutten hingen aus den Fenstern zum Lüften, das Geschnarche lullte alle ein. Frieden am Norpol, Weihnachten war nicht mehr fern. Niemand schien zu diesem Zeitpunkt zu merken, dass die Rasselbande fehlte. Niemand – außer Frau Weihnachtsmann. Verwundert schaute sie auf und unterbrach das Stricken. SchnupperSchnupperSchnupper, sog sie den verräterischen Duft mit der Nase ein. Zum Glühwein- und Bratapfelgeruch, das Normalste der Welt hier, gesellte sich nach Feierabend aber noch mehr. Die Weihnachtsbäckerei machte doch erst morgen wieder auf? Sorgfältig legte sie Stricknadeln und Wolle beiseite und schaute aus dem Fenster. Der Phoenix löschte gerade panikartig den Bart ihres Mannes, der wiederum eingeschlafen zu sein schien. Auch bei den Elfen hatte es den Anschein, dass dort wirklich alle in den Federn steckten. Und gerade dies machte sie misstrauisch. Wo waren Martha, Darfo, Johnny und Sonja denn? Ein leichtes Gefühl der Sorge kam in ihr auf. Schnell zog sie sich ihre schweren Stiefel an, warf sich den roten Mantel ihres Mannes über die Schultern. Gehend drückte sie sich den weißen Pegasuskragen von Santas rotem Rock an die Nase und atmete seinen Duft verträumt ein. Hmmmm. Ihren Gang stoppte sie nicht. KnirschKnirschKnirsch, marschierte sie an den Rentieren vorbei und sah, wie Johnnys Zugtiere sich gerade aus dem Gatter schlichen, um sich davonzustehlen, Marthas Gespann mit den Hufen Herzchen in den Schnee malte und Sonjas Rentiere versuchten, Darfos Lieblingen einen Vortrag über Moral und Ehre zu halten. Eigentlich alles normal – bis auf den Duft in der Luft. SchupperSchnupperSchnupper, zog er sie wie ein Magnet in Richtung Weihnachtsbäckerei. Schon von weitem konnte sie die Silhouetten von einzelnen Schmetterlingen sehen, die mit vollgeladenen Schubkarren durch die Dunkelheit wanderten: rein in die Weihnachtsbäckerei. „Nanu, nana!“, schoss es ihr durch den Kopf, zog sie sich den Mantel enger, erhöhte sie das Tempo. Kaum war sie etwas näher dran, konnte sie hören, dass Ofen, Mühlen, Nudelhölzer in voller Nutzung waren. Klimper.Piong.Krach.Bumm.Schepper.Klirr. Es dauerte nicht lang, da war sie auch schon an einem Fenster der Bäckerei. Heimlich hauchte sie ihren Atem an die zugefrorenen Scheiben, rieb ein Loch in das Eis…und da konnte sie nur staunen. Mit Schürzen standen sie da und bereiteten Weihnachtsgebäck zu. Und da überkam sie auch schon ein mütterliches Grinsen. Jetzt sah sie den Grund, warum sie dies nicht tagsüber machen konnten. Martha stand am ur-ur-ur-uuuuuuralten Lederrezeptbuch mit einem Wachsmaler…und trug die neuen Rezepturen ein. Johnny und Sonja führten aus. Frau Weihnacht musste ehrfürchtig schlucken, als sie erkannte. War…war…war es wahr? Oder träumte sie?? Schnell schrubbelte sie sich die Augen mit ihren Händen. Was…was…was da reinkam, das würde das Weihnachten der Menschen für immer und ewig verzaubern. Und sie legten auch noch einen Vorrat an. „Uuuuf.“ Sie konnte es kaum glauben. Dankbarkeit erfüllte ihr Innerstes. Sie konnte es sehen, es wirklich sehen. Aber…aber…aber das war doch unmöglich – anscheinend aber nicht. Die Rasselbande war zu den Sternen geflogen und hatte sie gebeten, ihnen noch mehr Staub zu schenken. Magischen Staub. Staub, den kleine Liebesflieger eigentlich immer dafür nutzten, um Pärchen unter den Menschen zusammenzuführen. Eine Prise davon schweißte Mann und Frau für ein Leben zusammen. Verbundene Herzen. Er nahm den Hass, er nahm die Wut, er nahm den Streit – und gab die Liebe, gab das Verzeihen. „Uuuuf“, stöhnte Frau Weihnacht aus. Das…das…das war ja ein einzigartiges Geschenk. Nur den Schmetterlingen schenkten die Sterne ihren Staub…und…und…und sie nutzten diese Gabe, um den Menschen dauerhaft die Herzen zu erwärmen. Überall auf der Welt würde diese Gebäck an Weihnachten auf den Tischen, unter den Weihnachtsbäumen und in ihren Zimmerchen stehen. Eine Träne lief ihr die Wange herunter, drehte sie sich leise um und machte sich auf den Rückweg. Herzenswärme begleitete sie. Dankbarkeit für diese Geschöpfe. Knapp erreichte sie ihre Veranda, sah sie den Schaukelstuhl. Der Phoenix pennte leicht glühend mit den blauleuchtenden Glühwümrchen im weißen Bart. Beim Anblick ihres Mannes funkelten ihre feuchten Augen mit dem Glanz der Ewigkeit. Leise bückte sie sich zu ihm hin, sanft führte sie ihre Lippen an ihn heran. „Danke“, hauchte sie ihm ihre Liebe an die Wange, berührten ihre Lippen seine Haut zart. Sie wusste nun ein wenig mehr, warum die Schmetterlinge auf der Erde waren…sie hatten das mit dem Fest der Liebe auf ihre Weise verstanden…

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2 comments on “Weihnachtsgeschichten: Das Fest der Liebe

  1. Was für eine schöne Geschichte! Da surft man mal ein wenig im Internet und landet direkt bei so schönen, romantischen Weihnachtsgeschichten! Da macht es dann gar nichts mehr aus, wenns draußen regnet 🙂 Weihnachten 2011 – du kannst kommen! 🙂

    • Das ist nur eine aus den „24 + 1 Weihnachtsgeschichten auf Schmetterlingsart: Santas geheime Geheimstadt“ von Alexander Ruth. Da sind noch viel, viel mehr schöne Geschichten drin! LG Alex