Weihnachtsgeschichten: Du bist nicht allein – es ist immer jemand da


… Leise rieselte der Schnee in der Dunkelheit und überdeckte alles in der geheimen Geheimstadt am Nordpol. Die Tannen wippten im Schlaf, bei den Elfen hingen die grünen Anzüge zum Lüften draußen. Glückliches Schnarchgeschnatter kam aus dem neuen Weihnachtsgänsehaus. Santa hockte auf seiner Veranda im Schaukelstuhl und trank einen heißen Erdbeerschokoladentee mit Gummibärchen… und war stolz auf sich. Bald war das Fest – sie lagen hier alle gut im Zeitplan. Natürlich, das wusste er nur zu genau, hatten die neuen Gänsehelfer einen großen Teil dazu beigetragen. Würden er und die Elfen wie damals noch alles alleine machen, dann, tja, dann hätten sie es in diesem Jahr wahrscheinlich nicht mehr geschafft. Auch Weihnachtsmänner wurden älter. „Haaaach“, stöhnte er zufrieden aus, nahm die Tasse in beide Hände und pustete den Dampf weg. Die Schmetterlinge. Mit ihnen war es zwar ein wenig chaotischer geworden, aber an jedem Ende eines Tages hatten sie dann doppelt so viel geschafft. Ein Segen, die kleine Rasselbande. Langsam nippte er an seinem Weihnachtsmanngetränk und schaute auf die Rentiere. Da ließ ihn ein kleiner Gedanke nicht los. Hatte er,… hatten sie denn auch wirklich an alles gedacht? Santa hielt die Tasse nur noch in einer Hand und kratzte sich mit der anderen seine weißen Haare unter der roten Mütze. Ihm war da so, als würde es was geben, das ihm allerdings gerade nicht einfiel. Jeder kannte das. Da war doch was, wuchs und wuchs es in ihm empor. Aber was? „Jedes Jahr zerbrichst du dir den Kopf, jedes Jahr stellt sich heraus, dass alles in Ordnung ist“, kam Frau Weihnacht von hinten an, bückte sich und legte ihre Arme liebevoll um seinen Hals. Gemeinsam schauten sie in ihre Welt – nach vorne. „Weib, du magst vielleicht recht haben“, drückte er ihre Hand. Warm war sie. Dann zog er sie zu seinen Lippen und hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Haut. Als…“Vielleicht aber auch nicht!“, er erstaunt aufschaute. Da war doch was! Hatten sie vergessen, eine Maschine auszuschalten? Auch Frau Weihnacht schaute nun misstrauisch in die Nacht. Irgendwas war da, definitiv! Schnell blickten beide umher. Die Rentiere waren in ihren Gattern, die Gänse waren so kaputt, dass von ihnen garantiert niemand mehr herumschlich. Die Elfen, tja, nach der Schokoladenzuckerwatteorgie konnten sie gerade noch so in ihre Betten kullern – aber mehr auch nicht. „Und Martha, Darfo, Sonja und Johnny?“ Überrascht schauten sich Santa und Frau Weihnacht an. Die Schmetterlinge? Flugs war der Weihnachtsmann raus aus seinem Schaukelstuhl und ging mit ihr ans Geländer seiner Veranda. Beide beugten sich nach vorne und schauten um die Ecke. Das Schmetterlinshaus ruhte still und starr. Nichts! Sofort rissen sie beiden die Augen auf. Denn gerade das „Nichts“ war das Verräterische. Normalerweise war immer einer von denen unterwegs! Ob heimliche KnirschKnirschKnirsch-Geräusche, eine Kissenschlacht oder auch ein geheimer Liebesflug von Schmetterlingsmädchen Martha, die nachts bei den Menschen herumschwirrte – eigentlich pennten sie nie alle gleichzeitig. Santa und Frau Weihnacht zogen sich ihre schweren Mäntel an und gingen um die Hütte…als gerade in dem Moment, hinter dem Schmetterlingshaus, ein blauleuchtender Glitzerschweif leicht krachend in den Himmel schoss. Nanu? Die Geschwindigkeit erhöhend, umging das Paar das Haus. Nachschauen, ob einer der Schmetterlinge da drinne war, brauchten sie nicht. Das war klar wie Kloßbrühe. Und ZischPuffPäng, krachte es nun wieder. „Was kann das sein?“, flüsterte Frau Weihnacht, als sie die Weihnachtsmannspielzeugfabrik sahen. Mit großen Augen standen sie still. Das Dach war mittig abgetragen, ein Loch klaffte, und wilde Blitze schossen umher. Immer wieder leuchteten Lichter in allen Regenbogenfarben auf, als sie sehen konnten, wie sich Martha und Darfo in weißen Wissenschaftler-Kitteln auf die Zinnen stellten und ärgerlich in den Himmel blickten. Wild fuchtelten sie mit ihren Händchen herum. Aber der Weihnachtsmann und seine Frau konnten nichts verstehen – sie schlichen sich näher ran. Dass Johnny und Sonja unten noch zugange waren, konnte man anhand der Silhouetten der beiden durch die Fenster sehen. Dann waren sie in Hörweite. „Ihr habt uns das versprochen“, schimpfte Martha wie ein kleiner Rohrspatz und streckte ihr Zeigefingerchen gen Weltall. „Wir haben nur heute Zeit, sie müssen noch ein paar Tage ziehen. Und der Staub muss frisch sein, nicht den, den ich von euch schon hab. Frisch muss er sein!“ Und als wenn sie ihre Worte verstanden hätten,… bewegte sich das Firmament. Standen die Sterne vorher noch ruhig an ihren Stellen, wanderte erst hier, dann dort ein Himmelslicht. Und wieder eins, und wieder eins. Die Sterne folgten dem Ruf des kleinen Schmetterlingsmädchens und ließen sich auf die Erde fallen. Immer tiefer und tiefer und tiefer…bis sie hier über dem Nordpol fast auf den Boden krachten. Santa und Frau Weihnacht standen nun direkt an der Mauer…und sahen, wie Johnny und Sonja um einen riiiiiiiiesigen Topf hüpften, den sie anscheinend aus der Weihnachtsbäckerei hierher gebracht hatten. Johnny kippte eine unbekannte Zutat nach der anderen herein, Sonja rührte mit einem großen Löffel um. Immer wieder schossen blaue Wolken puffend nach oben, suchten sich die Lichtblitze ihren Weg. Zum Glück standen Santa und Frau Weihnacht so, dass sie von hier auch direkt aus dem geöffneten Dach schauen konnten. Martha und Darfo am Rand – und die Sternschnuppen auf direktem Weg…in die Fabrik. Surrend tauchten die ersten beiden Sterne auf, schossen in die Fabrik herein…und drehten kichernd eine Runde. Dann machte es den Eindruck, als würden sie sich jagen, dann aber wieder auseinander sprinten,…um dann mit Karacho auf einander zuzufliegen. Direkt über dem Topf klatschten sie zusammen..und frischer Sternenstaub rieselte goldglänzend hinein. Kaum war das Sternenpaar im Steilflug wieder im Nachthimmel verschwunden, fielen auch schon die nächsten beiden Sterne in die Fabrik hinein. Und immer weiter ging das Spiel, brachte es den Weihnachtsmann aus dem Staunen nicht mehr raus. „Du hast doch was vergessen“, stieß Frau Weihnacht ihrem Mann in die Seite und zog ihn von der Fabrik wieder weg. „Ich hab doch was vergessen?“ „Ja… die Einsamen. Ich kenne das noch von meiner Großmutter“, hauchte Frau Weihnacht ihrem Mann warm ins Ohr. „Und ‚Es‘ können nur die Schmetterlinge machen. Es ist in ihnen drin. Sie werden mit dem Wissen der Zubereitung geboren. Sie wissen, wie man es macht, wie sie die Menschen verwandeln.“ „Und was?“, blickte Santa sie fragend an. „Es ist einzigartig: Sie backen ein Gefühl! Als Geschenk für Weihnachten! Sie geben den einsamen Menschen das Wissen, dass es immer jemanden auf der Welt gibt, der für einen da ist – auch wenn sie sich verloren oder noch nicht gefunden haben. Es ist immer jemand da“, nahm sie ihren Mann in den Arm, drückte ihrem Zottelbart einen dicken Schmatzer auf die Wange und hauchte sanft. „Es ist immer jemand da …

Diese Geschichte wurde direkt in diesen Blog geschrieben, unkorregiert und pur. Damals gab es jeden Tag eine. Aufbereitet, korrigiert und lektoriert entstand später im Frühling/Sommer ein Büchlein daraus. Weiter gehts deshalb in den Weihnachtsgeschichten der Schmetterlinge

Schmetterlingsgeschichten

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