Piratengeschichte: Flaute


Bei einer Flaute wird die Nordsee zur Karibik

Bei einer Flaute wird die Nordsee zur KaribikBei Flaute wird die Nordsee schon einmal schnell zur neuen Karibik.

… Die Sonne brannte auf das Achterdeck, der Himmel hatte kein weißes Wölkchen mehr übrig, an Bord der „Weißen Libelle“ war gerade Happy Hour. Es wehte kein Windchen – das Schiff kam keinen Zentimeter mehr vor. „Hmmpff“, grummelte Captain Wild Wild Sonja. Sie war schon fast verzweifelt. Sie kamen nicht weiter, aber sie hatten doch eine Mission! Eine sehr, sehr wichtige Mission!! „Wir könnten sie auch an die Ruder lassen“, flüsterte Lieutenant Darfo Rudermann Blackbeard Johnny zu. Doch er bekam keine Antwort – der Rudermann hatte gerade frei.

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Diese Geschichte ist Teil des Buches „Die Weiße Libelle“. Hier im Blog entstanden hat sie im Buch noch einmal eine fantastische Verwandlung erlebt! Nur noch rund 60 Prozent von dem, was hier steht, findet sich in dem Piraten-Abenteuer in der Nordsee wieder. Also einfach kaufen, lesen und begeistert sein!

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„Jippppiiiiii“, war Johnny bereits der nächste oben an der Rutsche. Auf der regenbogenfarbenen „Weißen Libelle“ hatten die Elfen eine Monster-Rutsche installiert. Knapp 50 Meter hoch, im Kreis drehend, samt einem Looping führte die Röhre direkt hinunter in die Nordsee. Auch Märchenwesen hatten sich ihren Feierabendspaß bie Flaute verdient. Dazu gab es tonnenweise Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, Paradiesäpfel und jede Menge Erdbeerinha. Und Musik, Karibik-Style. Die Baronesse de beau sonnte sich im feinsten Edel-Bikini, die Einhörner spielten Wasserbomben-Twist.

Die Nordsee ist jetzt die neue Karibik

„Hmmmpf“, grummelte Wild Wild Sonja. Sie hatten eine Mission, und so kamen sie beim besten Willen nicht weiter. Flaute, es herrschte Flaute. Verdammt, sie mussten weiter. Grummel. „Ma’am, ist das immer so bei ihnen?“ Der Offizier der Fregatte Augsburg hatte einen Offizier auf der „Weißen Libelle“ gelassen. Besser: Wild Wild Sonja hatte es erlaubt. Nach einer hochdemokratischen Abstimmung. Alle an Bord befindlichen Märchenwesen hatten teilnehmen müssen. Wer nicht wollte, wurde von Bord geschmissen. Ins Meer. War aber keiner. Sie alle hatten wundersamerweise abstimmen wollen. Und, oh Wunder: Alle hatten sie mit „Ja“ gestimmt. Ein echter Mensch war mal so eine richtige Abwechslung an Bord. Und vielleicht konnte er ja sogar etwas von ihnen lernen? Wahrscheinlich schon. Höchstwahrscheinlich, da waren sich Elfen, Einhörner, Osterhasen und all die anderen Märchenwesen einig. „Naja“, schaute Wild Wild Sonja jetzt gelassen geradeaus. Auf ihrer Hauptmission hatten sie jetzt mit der Suche nach der Fregatte Lübeck eine Untermission. Die Mannschaft hatte sich wirklich ein wenig Entspannung verdient. Einige der Elfen dachten schließlich immer noch, sie wären auf einer Kreuzfahrt. Erst im Herbst liefen die Vorbereitungen für Weihnachten in der geheimen Geheimstadt des Weihnachtsmanns an – und in die Karibik, da hatten sie immer schon hingewollt. Einige wussten noch nicht einmal, dass die anderen Elfen sie reingelegt hatten. Und dass das hier nicht die Karibik war, sondern „lediglich“ die Nordsee. Für sie war es jetzt aber die Karibik – und die war aus ihrer Sicht wirklich toll. Und warm. Wärmer als der Nordpol. Das reichte eigentlich schon. Und der Offizier mit seinen zwei Matrosen, der jüngst kurz an Bord gekommen war, war nichts anderes als der Captain der Fregatte Augsburg gewesen. „Die Einstellungskriterien waren wirklich nicht hoch bei der Bundesmarine“, hieß es jetzt unter den Märchenwesen. Denn: Der Offizier war dank der Einhörner, der Osterhasen, der Schmetterlinge und all den anderen so nervös gewesen, dass er einfach vergessen hatte zu sagen, dass er der Captain war.

Ein Verbindungsoffizier für Märchenwesen

Nun hatte der Fregattenchef Mo Hendrichs als Verbindungsoffizier an Bord der „Weißen Libelle“ lassen dürfen. Wenn sie die Fregatte Lübcke gefunden hätten, würde Mo dort direkt an Bord gehen – oder die Schmetterlinge würden ihn mit einer Schwimmweste und einem „Ping“-Gerät einfach über Bord werfen. So war es nun abgesprochen. Und er hatte noch viel zu lernen, der Mensch in seiner ebenfalls feinsten Uniform. Anders als der Captain war er nicht nervös, betrachtete das prachtvolle Segelschiff voller Märchenwesen aus jahrhundertealten Geschichten wesentlich lockerer. Wenn man das so sagen konnte. In den meisten Situationen wusste er zwar auch nicht, wie er reagieren sollten, wenn beispielsweise ein Einhorn mit ihm über die richtige Hornpflege quatschen wollte, aber ansonsten hielt er sich ganz wacker, wie sie fanden. Gut, er stand viel zu steif da. Immer gerader Rücken, immer höflich in den Umgangsformen. „Aber du wirst schon lernen, zu fluchen wie ein Märchenwesen“, hatte ihm Schmetterlingsmacho Johnny auf den Rücken geklopft und ihm Mut zugesprochen. Jetzt stand Mo Hendrichs mit Wild Wild Sonja oben am Ruderstand und schaute übers Deck. Reihenweise Liegestühle waren dort aufgebaut. Alle mit Handtüchern reserviert. Die Elfen spielten und tobten, die Lindwürmer sprangen vom Sprungbrett, Schmetterlingsmacho ließ sich gerade in eine Kanone stopfen – und „Bumm“, „Bumm“, „Bumm“, schienen gleich 30 oder 40 der vielleicht 300 Kanonen zu explodieren. Nicht nur Rudermann Johnny hatte sich hineinstopfen lassen, auch recht viele Elfen und einige Einhörner flogen jetzt im hohen Bogen über die Nordsee. Wild Wild Sonja wollte sich gerade umdrehen, als sie sah, wie es gut 50, vielleicht 60 Meter von Bord entfernt einen kleinen Tumult im Wasser gab.

Tumult auf der Nordsee

Lieutenant Darfo, der sich die ganze Zeit zusammenriss und sich nicht dem wilden Badespaß angeschlossen hatte, stand nun mit einem Mal neben ihr. Die Flaute machte ihm auch zu schaffen. Sie mussten eigentlich weiter. Wie dringend sie Wind brauchten. Wirklich dringend! „Ich bin mir nicht sicher, was da draußen gerade passiert“, sagte er und hielt sich unter Stöhnen und Schweißperlen auf der Stirn ein Fernglas für Menschen vor das Gesicht. Sein Kopf war gerade einmal so groß, dass er durch eins der beiden Gläser gucken konnte. „Darf ich?“, half ihm Mo Hendrichs und hielt mit einer Hand locker das Fernsichtgerät. „Danke“, kommentierte Darfo es so als wäre es das Normalste der Welt. „Gerne“, grinste der Marineoffizier. „Ich bin mir immer noch nicht sicher“, raunte Darfo nun. Wild Wild Sonja krabbelte unter der Hand von Mo Hendrichs durch und stellte sich ans zweite Glas. „Hmmm“, grummelte sie nun auch. An Bord ging der Badespaß immer noch weiter. Hier herrschte Flaute. Aber dort hinten … „Hmmmm“, kratzte sie sich nun das Köpfchen. Sie konnten jetzt nicht sagen, dass da hinten Gefahr lauerte. Die Elfen, die dort hinten durch die Kanone ins Wasser gefallen waren, hatten … zusätzlichen Spaß!! „Aber so weit vom Schiff entfernt, mitten auf der Nordsee?“, murmelte Lieutenant Darfo. Sehr mysteriös, sehr mysteriös. „Ich denke, wir sollten ihnen hier allen an Bord einmal den Ernst der Lage klar machen“, sagte nun Captain Wild Wild Sonja mit festerer Stimme. Langsam beschlich sie wieder das schlechte Gewissen. Während sie hier Spaß hatten, starben höchstwahrscheinlich Meereslebewesen. Das durfte nicht so weitergehen! „Wenn wir doch nur Wind hätten“, murmelte sie nun wieder, beinahe jammernd, und schaute gen Himmel. Petrus, alter Freund, Wind wäre jetzt hilfreich, sendete sie ein Stoßgebet ab. Doch, was war das?? „Hast du das auch gerade gesehen?“ „Ja!“, sagte Lieutenant Darfo nun mit lauterer Stimme. Er war bereits leicht aufgekratzt. „Die Elfen werden da hinten ebenfalls in die Luft geschossen!!“ Mo Hendrichs hielt sich zum Sonnenschutz seine frei Hand an die Stirn. Er konnte nicht so weit schauen. Aber der Wind schien jetzt sogar von da hinten zu kommen, so dass die Geräusche zu ihnen transportiert wurden. Wind?

Die Flaute ist vorbei

„Es kommt Wind auf!“, grinste Wild Wild Sonja. Aber vor ihrer Freude stand aktuell noch die Neugierde, was da hinten wohl los war. „Da, wieder!!“ Die Elfen schossen wie von Geisterhand geführt immer wieder in die Luft – so, als hätte sie eine unsichtbare Kanone in den Himmel geschleudert. „Da ist so eine milchige Stelle, mehr kann ich noch nicht erkennen“, kratzte sich Lieutenant Darfo nun sein Köpfchen unter seinem edlen Lieutenant-Hut. „Kommen sie näher?“ „Ja! Ich denke schon!“ „Huiiiiiii“, konnten sie jetzt zwei Elfen hören, während sie durch die Luft, immer näher zur „Weißen Libelle“ kommend, flogen. Und „Wusch“, „Wusch“, schossen wieder zwei Elfen genau Richtung „Weiße Libelle“ durch das Blau des Himmel, plumbsten kurz vorher noch ins Wasser. „Jipppiiii“, hörten sie sie alle noch schreien. Sofort rannte nahezu die gesamte Besatzung der „Weißen Libelle“ auf die eine Seite des Schiffs – so dass die „Weiße Libelle“ schon Schräglage bekam. „Huuuuuuiiiiiii“, flog dann wieder eine Rakete auf alle zu, krachte volle Lotte in eines der Segel – und schlug dann hart scheppernd auf den Planken des Decks auf. „Aua“, schraubte sich Schmetterlingsmacho Johnny verdutzt in die Höhe. Wild Wild Sonja und Lieutenant Darfo schauten ihn baff an. Der hatte seine Schmerzen sofort vergessen. „Ihr werdet nicht glauben, was wir gefunden haben“, zeigte er in die Richtung, aus der er geschossen wurde. „Autsch“, „Autsch“, fielen jetzt vier weitere Elfen aus den Segeln herunter. Wild Wild Sonja und Lieutenant Darfo drehten sich um – und dann sahen sie es. „Oaaaaaah“, „Boaaaah“, „Cooooool“, jubelten alle anwesenden Märchenwesen. Direkt vor der „Weißen Libelle“ ragte ein Wolkenriese in die Luft. Besser: eine Wolke in Riesengestalt. Noch besser: „Gestatten, ihr habt nach mir gerufen?“

Gestatten, „JayJay“

Wild Wild Sonja und Lieutenant Darfo konnten es nicht glauben. „Jetstream?“ Den Schmetterlingen fielen die Kinnladen nach unten. Hatte die Wolke in Riesengestalt vorhin noch eine tiefe Stimme gehabt, war sie jetzt so hoch wie die eine Teenagers. „Nein“, verkleinerte sich die Wolke in aufgeblasener Riesengestalt jetzt noch zu alldem in eine Wolke in Menschgestalt. So ungefähr von der Höhe. Naja, eher auf die Größe eines Zwergs. Eines herrkömmlichen Zwergs, einen, wie man ihn so aus der Ecke Schottland oder Irland kannte. Nicht die von Island oder die aus Norwegen, die waren größer. „Ich bin Jetstream Junior!“, kicherte der Wolkenriesenjunge. Bei ihren Abenteuern in der Wolkenstadt hatten sie die drei Brüder Jetstream kennengelernt. Sie waren für den 24-Stundendienst in höheren Windlagen zuständig. Und die Schmetterlinge hatten ihnen damals das Versprechen abgenommen, dass sie im Himmel immer auf ihre Lungen zurückgreifen dürften. Aber jetzt waren sie auf der Nordsee im Einsatz.  „Und da mein Vater nicht hier runterkommen kann, weil er arbeiten muss, hat er mich geschickt. Er meinte, ‚weil es hier um eine sehr, sehr ernste Angelegenheit geht, die die gesamte Wolkenstadt um Petrus und Frau Holle herum interessiert, sie dort unten alle beobachtet werden, musst du nun gehen'“, sagte Jetstream Junior. „Ich bin quasi in der Ausbildung. Einen richtigen Jetstream kann ich noch nicht pusten, aber für den Anfang sollte es reichen“, sagte er – und pustete einmal leicht in das erste Segel. Das war allerdings schon so hart genug, dass die „Weiße Libelle“ einen ordentlichen Satz nach vorne machte. Rumps, lag der Großteil der Besatzung auf dem Boden. „Wow“, schauten sich Wild Wild Sonja, Lieutenant Darfo, Blackbeard Johnny und die Baronesse de beau verzückt an, nachdem sie sich wieder berappelt hatten. „Und wer ist jetzt dein Vater, Jetstream oder Jetstream?“ „Nein, Jetstream!“, sagte Jetstream Junior … und brachte damit alle zum Lachen. „Okay, JayJay, willkommen an Bord“, sprang Blackbeard Johnny ans Ruder, Wild Wild Sonja nahm ihre coole Captain-Stellung ein, Lieutenant Darfo ließ die Elfen sofort die restlichen Segel hissen, Martha machte es sich in ihrer Bikini-Kreuzfahrt-Position auf dem Liegestuhl bequem. Sie waren startklar! Und sie hatten jetzt ihren eigenen „Außenborder“, auf den Himmel war Verlass!! „Dann blas mal los, die Mission kann weitergehen!!! …

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Liebe Leser, diese Geschichten wurden „live“ in diesen Blog geschrieben und einmal direkt im Anschluss Korrektur gelesen. Ihr mögt mögliche Fehler daher entschuldigen. Vielleicht gebt Ihr aber bitte bei der Sichtung eines Fehlers (inhaltlich oder von der Rechtschreibung her) einen Hinweis in Form eines Kommentars? Und: Hieraus wird wie immer ein Büchlein entstehen. Ein richtiges Korrektorat und Lektorat werden noch folgen. Die Schmetterlinge Martha, Darfo, Sonja und Johnny sowie alle anderen Märchenwesen danken Euch!!!

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