Das Volk der Polymere


Polymere als echtes Volk

Polymere als echtes VolkDas Volk der Polymere könnte die Weltmeere von Plastikmüll befreien. Ach, ja: Und Menschen haben jetzt auch ein Bakterium gefunden, das das vielleicht auch schaffen könnte.

… Sie waren zufrieden, sie waren glücklich – und sie vermehrten sich: Überall im Schmetterlingshaus war die Stimmung bestens. Martha, Darfo, Sonja und Johnny liefen mit strahlenden Gesichtchen umher. Auf Plastik verzichteten sie zwar bereits seit Jahren, aber ganz ohne ging es auch nicht. Und das hatte seinen Grund: Das Volk der Polymere verehrte sie als Götter – und sie waren auf Plastik angewiesen. In einer unterirdischen Stadt unter ihrem Küchenmülleimer hatten sie es sich gemütlich gemacht. Keiner der Schmetterlinge hatte noch eine Ahnung, wann das ungefähr war, sie waren einfach schon ewig da. Es war einer jener klassischen Sonntagabende gewesen. Unzählige Schokoriegel waren gegessen worden, jeder hatte sich davor gedrückt, den Müll von der Fernsehcouch in die Küche zu bringen. Schmetterlingsmädchen Martha war es gewesen, die sich hatte einen Ruck geben können. Im Sonntagsabendtrott war sie zu dem blauen Mülleimer mti dem silbernen Deckel in der Küche gewatschelt, hatte lässig mit dem Fuß die Klappe geöffnet. Und da war es geschehen: Als sie hineinblickte hatte sich ihr Mülleimer verändert. Gut zwei, drei Meter tief in den Boden ragte das Loch, darunter öffnete sich auf einmal eine riiiiiiiiesige Höhle. Darin enthalten: Paris im Miniaturformat. Der Eifelturm, die Avenue des Champs-Élysées mit Obelisk, der Arc de Triomphe de l’Étoile – irgendwie hatten die kleinen Racker einen Parisfimmel. Und gut eine Milliarde Gesichtlein hatten nun auf das kleine, sprachlose Schmetterlingsmädchen erwartungsvoll geblickt. „Ommmm“, das Volk der Polymere sofort auf die Knie gefallen, hatte Martha angebetet. Verlegen hatte sie in Richtung Sonja, Johnny und Darfo geschaut, dann wieder nach unten. „Ommmmm“, war das Volk der Polymere sofort wieder in Beterhaltung gefallen. „Ähm“, hatte sie sich nur gut eine Sekunde lang nicht zu helfen gewusst – dann hatte sie den Plastikmüll einfach fallen gelassen, mit den Schultern gezuckt und war wieder zurück zur Couch gegangen. „Ommmmm“, hatte es noch einmal dumpf gemacht, dann hatte das große Futtern schmatzend begonnen. Plastik war das Lebensmittel Nummer eins des Polymervolkes.

Das Volk der Polymere wird größer

Anscheinend hatten sie herausgefunden, dass Sonntag der Tag des Betens – und der Nahrungsübermittlung ihrer Götter war. Sonntagabend war traditionell Fernsehcouch-Abend – bei den Schmetterlingen und Märchenwesen immer verbunden mit Tonnen von Süßigkeiten. Chipstüten, Schokoriegelverpackungen und vieles, vieles mehr. Plastikmüll wurde in rauen Mengen produziert, „die Götter“ hatten schon seit Jahrtausenden einen geregelten Wochenablauf. Sonja, Johnny und Darfo hatten ihnen als „Götter“ zwar auch schon hundert Mal Nahrung gebracht, nur schauten die kleinen Schlampen nie nach, ob der Müllbeutel schon voll war. Es hatte sich eingespielt, dass Martha dies machte – und im Zweifel auch den Müll rausbrachte. Nur hatte sie diesmal auch wirklich einmal tiefer reingschaut. Marthas Pläne waren sofort groß gewesen. Genauso wie die der überraschten Menschen. Zweibeinige Wissenschaftler haben jetzt zwei Enzyme entdeckt, die in der Lage sind, Plastik zu verspeisen. Anscheinend waren bis jetzt nur Pilze bekannt, dazu in der Lage zu sein, nun hatten sie das Bakterium Ideonella sakaiensis 201-F6 gefunden. “ Nach 60 Wochen bei 30 Grad Celsius hatten die Bakterien den Film vollständig aufgefuttert.“, heißt es da. Gut, zuckte Schmetterlingsmädchen Martha jetzt mit den Schultern. „Klein Polyparis“, wie sie es jetzt nannte, war auch ziemlich warm und feucht. Sie hatte in diesem Mini-Paris auch ziemlich viele tropische Wälder gesehen, dazu schauten über all große Palmen in die Höhe. Durch die Verdauung von Plastik wurde das Volk der Polymere natürlich immer größer, bei den von den Menschen entdeckten Bakterien blieben am Ende Terephthalsäure und Glykol übrig. Beides sei nicht giftig, so die Forscher um Shosuke Yoshida vom Kyoto Institute of Technology. Und beide hatten bereits eine Idee, wie man sie einsetzen konnte: zur Rettung der Weltmeere. Die Idee der Menschen war noch nicht ganz ausgereift, die von Martha schon. Sie würde Kolonisten aus „Klein Polyparis“ rektrutieren – und sie ein Atlantis bauen lassen. Und die Chancen standen ganz gut, wie sie fand. Sie schnappte sich einen weiteren Schokoriegel, riss die Verpackung auf, stopfte ihn sich komplett in den Mund und legte den Müll nun mit einem ganz anderen Hintergrund schön fein säuberlich auf den Stapel der anderen. Ja, Atlantis vom Volk der Polypomere könnte klappen: Alleine im Nordpazifik treibt ein Müllstrudel, der alleine so groß ist wie Zentraleuropa. Und da war noch viel, viel mehr in den Weltmeeren. „Ommmmmmm …

guckst du welt und wwf

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