Weihnachtsgeschichten: Der Testlauf der Überraschungen


…Schnee fiel viel hier am Nordpol. Die Dunkelheit wurde nur durch die Lichter aus der geheimen Geheimanlage des Weihnachtsmannes unterbrochen…als: U-i-u-i-u-i die Sirenen ansprangen – totaler Totalalarm. Mitten aus dem Schlaf riss es die Schmetterlinge Martha, Darfo, Johnny und Sonja. Sofort sprangen sie aus ihrem Vierer-Hochbett, rannten die Wendeltreppe mittig im Raum nach oben und hüpften dann auf die Feuerwehrstange. Kreiselnd sausten sie zu Boden und blieben erwartungsvoll stehen. Sie waren bereit. „Schnell, schnell, schnell“, riefen die Elfen und winkten sie hinaus. Mit entschlossenen Schritten rannten sie ihnen hinterher. Was war nur los? Auf dem Weg kamen sie an der Türe des Weihnachtsmannes vorbei, aber er war nicht in seinem Zimmer. Zziiiiiisch, waren auch mittlerweile die drei blauleuchtenden Glühwürmchen vor Ort, und der Phoenix stieß aus dem Nichts mit einem „Puff“ zu ihnen. Immer weiter führten sie die Elfen, hatten die Schmetterlinge mittlerweile aber eine Ahnung, wohin der Weg ging. „Aber, aber, aber…“, stotterte Schmetterlingsmacho Johnny. „Weihnachten ist doch erst in…“ Da hatte er schon keine Zeit mehr zu sprechen: Sie standen vor dem bepackten Schlitten des Weihnachtsmannes. Dasher, Dancer, Prancer, Vixen, Comet, Cupid, Donder und Blitz waren eingespannt und grinsten die Rasselbande munter an. Greenhorns. Turmhoch war der Schlitten mit Geschenken bepackt, von dem Rotrock fehlte allerdings jede Spur. „Schnell, schnell, schnell“, klopften die Elfen auf den Kutschbock. „Ihr müsst sofort los!! Es gab eine Panne im Kalender! Weihnachten ist heute!“ Erschrocken hechteten die kleinen Racker auf den Platz: Weihnachten retten!!! Niemand hatte hier Zweifel daran. Das war natürlich absolut möglich. Hätte ihnen schließlich auch passieren können. „Und wie machen wir das?“ „Hier“, drückte der eine Elf Darfo die Zügel in die Hand. „Je mehr du schüttelst, desto schneller rennen sie. Ziehst du ein wenig an, aber nur sanft, dann denken sie, es gibt was Zuckerwatte – und halten.“ Aha, nickte Darfo. Er hatte verstanden. War ja einfach. „Und das…“, zeigte der andere Elf auf den rot-grünen Knopf mit einem Herzchen drauf. „Ist die Schwebe-Funktion. Die darf niiiiiiiemals ausgeschaltet werden, wenn ihr in der Luft seid!“ „Sonst gibts so was Ähnliches wie das große Weihnachtsdesaster von 2003“, flüsterte ein weiterer Elf seinem Nachbarn zu. „Höhö…oder das von 1998, 2001, 1999, 2008, 1963, 1985, 1978…“, hörte er gar nicht mehr auf. Ängstlich blickte Martha hinunter. „Keine Sorge, einfach nur nicht den Knopf drücken, wenn ihr in der Luft seid!“ Unheimlich nickten die kleinen Racker. „Und hier ist die Liste!!“ „Das sind ja 153146 Millionen Adressen!“ „Keine Bange, das schafft ihr in zehn Minuten!“, haute der Elfe Donder auf den Hintern uuuuuund paaaaatsch, rannten die Rentiere los. TrappelTrappelTrappel, riss es Martha, Darfo, Johnny und Sonja in die Rückenlehne, war das nächste Problem schon in Sichtweite. Sie rannten genau auf eine Geschenke-Fabrik-Wand zu. Geistesgegenwärtig kloppte Johnny sein Patschehändchen auf den Knopf uuuuund zzzziiiiiisch, schossen sie in den dunkelblauen Nachthimmel. Die Elfen standen da, grinsten die zurückgebliebenen Glühwürmchen und den Phoenix an. „Meinst du, sie packen es?“ „Niemals!“ „DA müssen wir es leider dem alten Mann sagen – und er wird nach diesem Scheitern nur eine logische Konsequenz ziehen können!“ „Jap!“ „Jap!“ „Jap!“, gings durch die Reihen der Elfen…als sie das Stampfen von schweren Stiefeln durch den Schnee hörten. Genau zu diesem Zeitpunkt schoss der Schlitten auf seiner vierten Runde um den Erdball über ihre Köpfe, und eine Elfe drückte heimlich auf eine Fernbedienung. „Bitte den roten Knopf tief reinpressen“, sprang dadurch ein Zettel im Weihnachtsmannschlitten vor Johnny hervor. In Bildersprache versteht sich. Das „Bitte“ verstand er sofort. „Gerne“, sagte Johnny laut und drückte den Knopf zum Entsetzen von Darfo, Sonja und Martha tief hinein. Probleme, die auch etwas tiefer erkannt wurden. „Was ist denn hier los?“, wollte der Weihnachtsmann sofort murrend wissen, als ihm das erste Geschenk direkt aus dem Himmel auf die Nase fiel. Verdutzt schaute er es an.“Testlauf“, zeigten die Elfen nach oben. Dort trudelte der Weihnachtsmannschlitten im freien Fall nach unten, genau auf den Weihnachtsmann zu. „Ach, du meine Güte!“, musste er schlucken. „Das sind einfach zu viele Schmetterlinge auf einem Schlitten!“, flüsterten die Elfen dem Weißbart zu. „Jaja, da habt ihr anscheinend recht“, murmelte er und kratzte sich den Kopf unter seiner roten Weihnachtsmütze. Zum Glück berappelte sich Johnny zu diesem Zeitpunkt wieder, rund 20 Meter über ihnen, und drückte den Herzchenknopf erneut. Von jetzt auf gleich verlangsamte der Schlitten seinen Fall und glitt sanft zur Erde, bis er vor den Elfen und dem Weihnachtsmann zum Stehen kam. Kaum war die Schneewolke hier am Nordpol verschwunden, da ging der Weihnachtsmann schnaubend auf Martha, Darfo, Johnny und Sonja zu. „Was um Herrgottswillen war denn hier los?“ Kein Wort findend, schauten die Schmetterlinge ihn starr an. Marthas Gesichtchen war leicht grün, die Zügel in Darfos Händen zitterten immer noch. „Zu viele Schmetterlinge auf einem Schlitten“, sagten die Elfen erneut…und die Rasselbande brabbelte einfach nur nach. „Zu viele Schmetterlinge auf einem Schlitten!“ Zu viele Schmetterlinge auf einem Schlitten, ging es dem Weihnachtsmann durch den Kopf, als wieder ein Elf das Wort ergriff. „Aufgrund der ergonomatikularen Eigenschaften des Schlittens, die mit ihrer kybernautischen Sternensuchfähigkeit auf genau die exakte Figur des Weihnachtsmannes angepasst wurden, liegt es mit hoher Wahrscheinlichkeit daran, dass die Schmetterlinge einfach nicht auf einen Schlitten passen, und vor allem, nicht alle gleichzeitig!“ Erstaunt schaute der Weihnachtsmann den Elfen an, packte dann seinen Bauch und schaute auf seinen Wams herunter. „Du willst mir damit doch nicht sagen, dass ich zu dick bin?“ „Nein, Sir. Nein, niemals…nur…ist der Schlitten auf euer Gewicht geeicht worden!“ „Und nun?“ „Wenn wir da mal…“, winkten die Elfen den anderen Elfen zu, die auf einmal losmarschierten. „Hüaaa“, hörten sie alle den klassischen Befehl, dann das bekannte Klimpern der Schellen – vielen Schellen. Und auf einmal standen sie da. Vier Schlitten. Einer in blau, einer in rot, einer in grün…und einer in pink. Alles junge Rentiere davor, die heiß waren, an diesem Weihnachten ihren ersten Einsatz zu fliegen. „Booooaaaa“, platschte es aus den Mündchen der Schmetterlinge heraus. „Wir haben uns das schon gedacht…und da was vorbereitet.“ Misstrauisch blickte der Weihnachtsmann die Elfen an, die hochprofessionell keine Miene verzogen. Dann zu den Schmetterlingen. Denen war sofort anzusehen, dass sie damit nichts zu tun hatten. „Zu viele Schmetterlinge auf einem Schlitten“, murmelte der Weihnachtsmann, schüttelte sich den Bauch und winkte dann ab. „Ach, macht doch, was ihr wollt. Hauptsache Weihnachten läuft einwandfrei über die Bühne“, gab er sein Okay und marschierte dann bibbernd in Richtung Wärme. So ließ er sie zurück. Darfo, Marha, Johnny und Sonja konnten es noch immer nicht glauben. Mit weit offenen Mündchen schauten sie ihre Rentiere und ihre Schlitten an. Hachja, es gibt anscheinend immer jemanden, der bereit ist, mehr für andere, als für sich selbst zu tun…

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